Studie: Verständlichkeit von Wirtschaftsthemen im Fernsehen
"Logo!" erklärt am einfachsten
Die Macher der Kindernachrichten brechen schwierige Begriffe auf Grundschul-Niveau herunter.
Berlin. Das Ergebnis vorweg: An den Fernsehsendern liegt es nicht, wenn junge Leute den Wirtschaftsnachrichten schlecht oder gar nicht folgen können. Eine Analyse der Nachrichtenformate "Tagesschau", "heute", "RTL aktuell" und "SAT.1 News" bestätigt, dass sich die Kollegen durch Vereinfachung und Bebilderung der Themen bereits weitgehend um Verständlichkeit bemühen. Aber was sollen sie machen, wenn den Kids weder zu Hause noch an den Schulen beigebracht wird, was ein Nettolohn ist und was ein Schwellenland?
Im Auftrag der deutschen Industrie- und Handelskammern hat das Institut für empirische Medienforschung (IFEM) 145 Kölner Schüler befragt - 50 Hauptschüler (letzte Klasse) und 95 sogenannte Kollegschüler, die sich auf das Abitur oder die Fachhochschulreife vorbereiteten. Niederschmetterndes Ergebnis: Gerade mal knapp 50 Prozent konnten mit dem Stichwort "Bahn-Streik" etwas anfangen, und nur vier von zehn Befragten glaubten zu wissen, was "Arbeitslosengeld 1" bedeutet oder "US-Hypothekenkrise" oder "Haushalt 2008". Erwartungsgemäß wussten die Kollegschüler mehr als die Hauptschüler. Nur der Film der Kinderkanal-Nachrichtensendung "Logo!" zum Thema "Haushalt 2008" , so die IFEM-Leute, sei zu 100 Prozent verständlich gewesen.
Zum Vergleich: Wo die "Tagesschau" in ihrem Bericht mit den Begriffen "Bundesfinanzminister, Bundeshausalt, Geld, Haushaltsberatungen, Investitionen, Konjunktur, Nullverschuldung, Schulden, Steuersenkung, Unternehmenssteuerreform, Zukunftsinvestitionen" operierte und wo selbst "RTL aktuell" noch von "Bundesfinanzminister, Geld, Haushalt, Haushaltslöchern, Haushaltssitzung, Schulden, Schuldengrenze, Staatsfinanzen, Verschuldung, Wirtschaftslage" sprach, kam "Logo!" mit vier Fachwörtern aus: "Finanzminister, Geld, Schulden, Staatskasse". Dazu zeigte ein Videoclip Peer Steinbrück, der einen mit "Staatskasse" beschrifteten Karton umklammerte und mittels Sprechblase erklärte: "Weniger Geld leihen!"
Da es aber wohl nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, schwierige Zusammenhänge auf "Logo!"-Niveau herunterzubrechen, richtet sich der Appell an die Schulen - und zwar auch schon an die Grundschulen -, mehr Wirtschaftswissen im Unterricht zu vermitteln. Die Medien allein, so das Fazit gestern in Berlin, könnten es nicht schaffen.



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