Laeiszhalle: Entscheidung abzusehen: Nie mehr Neobarock im Kleinen Saal
Wohlklang geht vor Schönheit
Für die künftige Gestalt des Kleinen Saals der Laeiszhalle soll offenbar die Akustik den Ausschlag geben.
Hamburg. Soeben hat Hamburg das 100-jährige Bestehen der Laeiszhalle gefeiert. Lobesworte und Veranstaltungen gab es reichlich. Nur einer blieb abseits wie Aschenputtel: der Kleine Saal. Während der Feierlichkeiten diente er als Garderobe, und die Festschrift widmet ihm bloß ein paar versprengte Zeilen und zwei Bilder aus dem Eröffnungsjahr. Dabei hat der Saal seine ganz eigene Geschichte. Als er 1908 der Öffentlichkeit übergeben wurde, war er baulich ganz die kleine Schwester des Großen Saals. Historische Fotos zeigen noch die neobarocke Ornamentik, die Säulenbögen und die Glasdecke. Nachdem die Briten das Gebäude an die Stadt zurückgegeben hatten, ließ der Senat den Saal im Stil der Neuen Sachlichkeit umbauen und nahm ihn 1954 in Betrieb - in der Gestalt, wie wir sie bis heute kennen: holzverkleidet, mit zeittypisch einfachen Formen und einer Empore.
Manch großen musikalischen Moment hat er erlebt. Dennoch mehrten sich die Stimmen, die einen Rückbau in den Urzustand verlangten; besonders der Freundeskreis der Laeiszhalle machte sich dafür stark. Hier steht Auge gegen Ohr und Portemonnaie. "Wir müssten die Empore entfernen. Dann hätten wir rund 140 Plätze weniger", rechnet Gereon Röckrath vor, der Geschäftsführer des Hauses. Röckrath und Generalintendant Christoph Lieben-Seutter wollen nicht an der Akustik rühren, sondern den Saal wieder in den Zustand von 1954 versetzen.
"Der Saal klingt toll. Bloß nicht zurückbauen!", findet auch Tobias Rempe vom Ensemble Resonanz. Schützenhilfe kommt vom Denkmalschutzamt. Vor zwei Monaten hat es im Saal die dem Zustand von 1954 entsprechenden Farben ausprobiert und ein Stück Fußboden ersetzt. Und bei der Eröffnung der Ausstellung "100 Jahre Laeiszhalle" sprach sich der Leiter des Denkmalschutzamts, Frank Pieter Hesse, für den Erhalt des 50er-Jahre-Kleinods aus. "Für mich kam das ohne Vorankündigung", sagt dazu der Vorsitzende des Freundeskreises, Henrik Hertz. Offiziell ist zwar noch keine Entscheidung gegen den Rückbau gefallen. Auch genaue Planungen fehlen noch; demnächst will die Kulturbehörde eine Publikation zum Thema vorlegen. Gut Ding will Weile haben. Vielleicht kann man den Kleinen Saal irgendwann sogar auf der Website des Hauses besichtigen. Bisher endet die virtuelle Führung nämlich schamhaft im neobarocken Treppenaufgang.





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