Berlin. Die deutsche Sprache droht nach Ansicht der meisten Bundesbürger zu verkommen. Laut einer am Freitag in Berlin präsentierten Allensbach-Umfrage teilen 65 Prozent diese Einschätzung. Die Ursachen seien vielfältig: Heute werde weniger gelesen und mehr ferngesehen, der Einfluss anderer Sprachen auf die deutsche nehme stark zu, allgemein werde auf gute Ausdrucksweise sowohl im Elternhaus als auch in der Schule und den Medien weniger Wert gelegt.

Vor allem Ältere sorgen sich über einen Verfall, aber auch von den Jungen sieht dies jeder Zweite so. Für die im Auftrag der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) erstellte Studie wurden 1820 repräsentativ ausgewählte Personen ab 16 Jahren befragt. Der GfdS-Vorsitzende Rudolf Hoberg relativierte und sagte, das Ergebnis müsse Anlass sein, von Pauschalurteilen über den Sprachverfall Abstand zu nehmen. "Man kann nicht daraus schließen, dass es früher wirklich besser war." Klagen habe es schon immer gegeben. Die Sprache sei im ständigen Wandel begriffen.

Mittlerweile werden laut Umfrage einstige Tabuwörter wie "Idiot" oder "Scheiße" salonfähig. Demnach benutzen 71 Prozent das Wort "Idiot" selbst, "Scheiße" 63 Prozent. Über das Wort "geil" regt sich nur noch jeder Fünfte auf. Mit Bildung hat die Verwendung der "Gossensprache" allerdings nicht viel zu tun, ganz im Gegenteil: Grundsätzlich verwenden Befragte mit Abitur und Studium die abgefragten "Tabuwörter" häufiger als diejenigen mit einfacher Schulbildung.

Auch an die zunehmende Verwendung von Anglizismen wie "Kids", "Event" oder "Meeting" haben sich mittlerweile der Umfrage zufolge viele Deutsche gewöhnt. Nur noch 39 Prozent - vor allem Ältere ohne Englischkenntnisse - stören sich daran. Die Jungen dagegen bedauern seltener die Verdrängung der deutschen Sprache und meinen häufiger, dies erleichtere die Verständigung mit dem Ausland und mache die deutsche Sprache moderner und internationaler.

Die Rechtschreibreform ist weiter ungeliebt: Nur neun Prozent haben sich laut Umfrage mit ihr angefreundet. Die Mehrheit ist (55 Prozent) dagegen.


www.deutscher-sprachrat.de AP