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Kultur & Live

Rathausmarkt: Keine Kultur?

Senatskanzlei torpediert Rock-Spektakel

Senatskanzlei will Gratis-Open-Air-Kino- und Rock-Event nach 20 Jahren die Genehmigung verweigern. Teilen Sie uns Ihre Vorschläge unter "Kommentieren: Hier ist der Platz für Ihre Meinung" mit.

Hamburg. Zwischen der Senatskanzlei, dem Bezirksamt Mitte und den Betreibern des allsommerlichen Freiluftkinos und des Rockspektakels ist ein Streit um die Bespielung des Rathausmarkts entbrannt. Obwohl das Bezirksamt sich für eine Genehmigung der Veranstaltungen aussprach, die seit mehr als zwei Jahrzehnten Zehntausenden von Besuchern Gratis-Kultur in zentraler Lage bieten, pocht die Senatskanzlei auf ein neues Nutzungskonzept für den Platz vor ihrer Tür.

"Es soll keine Erbhöfe mehr geben", so deren Sprecher Christof Otto; gewünscht sei eine größere Vielfalt bei der Belegung des attraktiven Veranstaltungsorts und eine Beschränkung auf vier Monate Belegung jährlich. Mehr als drei Durchgänge einer Veranstaltung sollen nicht automatisch selbstverständlich sein. Dass es die einzigen beiden nichtkommerziellen Veranstaltungen trifft, während ein Event wie das "Stuttgarter Weindorf" - das laut Hamburg-Marketing-Chef Thorsten Kausch für Stuttgart, aber nicht für Hamburg werbe - weiterhin in der guten Stube der Hansestadt stattfinden darf, ändere laut Otto nichts. "Auch das Weindorf steht unter Beobachtung." Das Nein ginge weder gegen Rock noch Kino, Filme könne man ja umsonst und draußen auch an anderen Orten zeigen.

Laut Otto sind Kino- und Rock-Veranstalter im letzten Jahr vor einer drohenden Ablehnung gewarnt worden. Die zehn Kinoabende wurden dennoch wegen der Beachvolleyball-EM vom Sommer auf den 22. Mai als Starttermin umgeleitetet. Doch auch das, so Otto, sei noch kein Garant für grünes Licht gewesen.

Martin Aust vom Metropolis-Kino wird bei der Organisation von der Kulturbehörde mit 25 000 Euro unterstützt, mit im Boot ist auch die Zentrale für politische Bildung, die das Kurzfilmprogramm betreut. Das Verhalten der Senatskanzlei will man in der Behörde für Kultur und Medien aber nicht kommentieren, mehr als ein "wir waren rechtzeitig ins grobe Konzept eingebunden" ist nicht zu bekommen. Aust hat unterdessen Widerspruch gegen den am 6. Mai ergangenen Absagebescheid eingelegt. Der Widerspruchausschuss jedoch verweigert Taten, da eine "die Ablehnung stützende Begründung" fehle. Der Schwarze Peter ist also wieder bei Bezirksamt und Senatskanzlei. Bezirksamtschef Markus Schreibers Haltung ist eindeutig: "Ich finde das schade. Ich verstehe die Senatskanzlei nicht, aber man muss ja nicht alles verstehen im Leben." Schreiber sind die Hände gebunden, für eine Genehmigung ist Einstimmigkeit erforderlich.

Ebenfalls kein Verständnis für die Entscheidung der Senatskanzlei hat Konzertveranstalter Karsten Schölermann, der seit 1988 das jährliche Rockspektakel auf dem Rathausmarkt organisiert. Zwar bestätigt Schölermann, dass die Absage für den dreitägigen Konzertmarathon vom 22. bis zum 24. August seit einem Jahr in der Luft lag, einen triftigen Grund aber hätte es nie gegeben. "Wir sind das einzige regelmäßige innerstädtische Rockfestival und locken Zehntausende Besucher aus ganz Norddeutschland nach Hamburg, um sowohl angesagte Newcomer wie auch Top-Bands wie die Beatsteaks bei freiem Eintritt zu präsentieren", aber das soll ausgerechnet im Jubiläumsjahr nicht mehr genug "überregionale Strahlkraft" haben. Dabei bräuchte die Senatskanzlei nicht viel mehr tun, als grünes Licht zu geben, der Rest regle sich von alleine. "Wir zahlen eine fünfstellige Platzgebühr und haften für Sicherheit, Sauberkeit und Schäden, dabei tragen wir uns selber über Sponsoren und den Verkauf von Speisen und Getränken, sind also nicht auf Zuschüsse angewiesen", so Schölermann.

Als Entgegenkommen hatte er auch bereits zwölf alternative Standorte geprüft, "vom Spielbudenplatz bis zur HafenCity", aber bauliche Gründe, Brauerei-Gebietsschutz oder zu viele Anwohner machen ein Ausweichen unmöglich. Scheinbar ist somit kein Platz mehr für ein City-Open-Air-Festival in einer Stadt, die seit der Beatles-Ära oft und gerne plakativ mit ihrem Image als Wiege des Rock 'n' Roll kokettiert. Verluste sind für Schölermann zwar noch nicht entstanden - "Ich könnte mit den gesparten Ausgaben dieses Jahr auch in den Urlaub fahren" - aber er will lieber weiterhin "Rock 'n' Roll auch für die bieten, die sich keine teuren Konzertkarten leisten können."

Doch mit 19 Runden hat das Rockspektakel das neue Drei-Runden-Konzept überschritten, der vorher in den Konzertreigen integrierte Schützen- und Trachtenumzug am 27. August aber bleibt. Man darf gespannt sein, wen diese Regel als Nächstes trifft. Austs Kommentar dazu: "Dann müsste man auch den Weihnachtsmarkt absagen."

 

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