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Kultur & Live

Serie: Der Skandal um die Hitler-Tagebücher

Star-Reporter mit Nazi-Tick

Gerd Heidemann wird 1931 in Altona geboren. Nach der Grundschule absolviert er eine Fotografen-Lehre beim Nordwestdeutschen Rundfunk, arbeitet für Presseagenturen und Zeitungen. 1955 wird er freier Mitarbeiter beim "Stern", 1960 fest angestellt.

Er erwirbt sich schnell den Ruf als gründlicher und erfolgreicher Rechercheur. Er ist bei 13 Kriegen im Nahen Osten und in Afrika dabei und wird für seine Reportagen mit dem "World Press Photo"-Preis ausgezeichnet.

Mit dem Dritten Reich und den Nazi-Größen beginnt er sich zu beschäftigen, als er 1972 einem Bonner Druckereibesitzer die ehemalige Yacht von Hermann Göring, "Carin II", für 160 000 Mark abkauft. Er lässt das Schiff renovieren und beschafft Erinnerungsstücke an den ehemaligen Reichsmarschall und Stellvertreter Hitlers. Die Yacht wird Treffpunkt alter Nazis, unter ihnen zwei frühere SS-Generale. Durch diese Kontakte erfährt er, dass es Tagebücher von Adolf Hitler geben soll. Es gelingt ihm, mit Konrad Kujau zu telefonieren. Hinter dem Rücken der Chefredaktion informiert er die Verlagschefs von Gruner + Jahr, die ihn beauftragen, die Bücher zu beschaffen. Heidemann erhält dafür insgesamt 9,34 Millionen Mark in bar.

Das Hamburger Landgericht verurteilt ihn wegen Betrugs zu 4 Jahren und 8 Monaten Gefängnis. Laut Urteil hat er von den Verlagsgeldern "mindestens 4,39 Mio. DM" an sich gebracht. "Es kam ihm darauf an, sich auf Kosten des Verlags ein Vermögen in Millionenhöhe zu verschaffen." Strafmildernd wird angesehen, dass "der Verlag leichtsinnig handelte". Heidemann lebt heute in Altona.

 

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