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Kultur & Live

Leseförderung ist eine Frage der Priorität

Abendblatt:

Warum engagieren Sie sich für den Erhalt der Kinderbibliothek am Grindel?

Kirsten Boie:

Ich denke, Kinderbibliotheken müssen dort sein, wo Kinder sind. Die Bibliothek am Grindel wird gut angenommen, sie hat sehr gute Ausleihzahlen. Eimsbüttel ist ein sehr kinderreicher Stadtteil, also sozusagen ein natürlicher Standort.



Abendblatt:

Halten Sie eine Kibi in der Zentralbibliothek am Hühnerposten für eine geeignete Alternative zum Standort Grindel?

Boie:

Wie gesagt: Eimsbüttel ist ein besonders kinderreicher Bezirk, der Hühnerposten hingegen liegt nicht gerade in der bevölkerungsreichsten Ecke. Bei einer Zentralbibliothek für Erwachsene mag das angehen, aber Kinder brauchen Büchereien in ihrer Nähe, die im besten Fall fußläufig zu erreichen sind.



Abendblatt:

Wie wichtig ist eine Kinderbibliothek?

Boie:

Das Lesealter, um das es hier geht, ist ein entscheidendes. Wer nicht bis zwölf zum Leser geworden ist, der wird es später nicht mehr. Eine Kibi ist wichtig, weil Kinder hier eigene Erfahrungen mit Büchern machen. Das ist sogar für Kinder anregend, die mit Büchern aufwachsen. Elementar aber ist das Angebot für Kinder mit nicht so finanzkräftigen Eltern.



Abendblatt:

Ein Argument für die Verlegung der Kibi lautet, dass der Grindel ein sozial privilegiertes Umfeld sei und es gerechter wäre, wenn Hamburgs zentrale Kinderbibliothek nicht nur für wenige bequem erreichbar wäre.

Boie:

Eine Konsequenz dieses Arguments müsste lauten, dass die Bibliothek in sozial prekärere Stadtteile wie Wilhelmsburg oder Billstedt verlegt werden sollte. Der Hühnerposten ist ein Ort, der nicht gleich gut, sondern gleich schlecht für alle erreichbar ist.



Abendblatt:

Hauptargument für die Verlegung ist die finanzielle Situation, die zu einer billigeren Lösung durch Zentralisierung zwingt.

Boie:

Zur Finanz-Problematik kann ich nichts sagen. Aber ich denke, das ist auch eine Frage der Prioritätensetzung in der Politik des Senats, insofern überzeugt es mich nicht. Ich sehe ohnehin einen bedauerlichen Widerspruch: Es ist bizarr, dass Hamburg sich inzwischen so viel Mühe mit Lesefrühförderung durch die tolle Aktion "Buchstart" gibt. Und dann folgt eine Maßnahme wie die Kibi-Verlegung, die den Nachwuchs wegbrechen lässt.Interview: Lutz Wendler

 

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