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Kultur & Live

Forellenquintett mit Haifischen

Gedanken zu Senatsplänen für eine Musikhalle

Hamburg. Ein Orchester schwelgt in Händels "Wassermusik", ein Quintett spielt Schuberts "Forelle", und dazu tummeln sich in einem riesigen Aquarium auf der Bühne Fische aller Art. So ungefähr sähe Hamburgs Konzertleben künftig aus, ginge es nach den Vorstellungen von Kultursenatorin Dana Horakova. In der HafenCity soll die neue Halle entstehen, in die die Besucher durch einen gläsernen Tunnel im Fisch-Bassin wie in Timmendorf schreiten können. Ein Pop-Museum mit Beatles-Devotionalien gehört ebenfalls dazu. "Ein Wahrzeichen der Superlative", schwärmte die Senatorin in der "Welt". Es ist die vorerst letzte Strophe eines speziellen Hamburger Grabgesangs auf die altehrwürdige Musikhalle am Johannes-Brahms-Platz. Für und Wider sind seither - nicht zuletzt in dieser Zeitung - heftig diskutiert worden. An dem neuesten Projekt überrascht nicht nur der exotische Entwurf, sondern auch der Zeitpunkt. Denn die Leute gehen heute weniger ins Konzert. Kaum noch ist die Musikhalle komplett zu füllen. Bei Pianisten beispielsweise, zu deren Soirees früher zusätzlich Besucherstühle aufs Podium gestellt werden mussten, wird heute nicht selten der zweite Rang geschlossen. Zudem gastieren internationale Spitzen-Orchester immer seltener in Hamburg. Und zwar nicht etwa, weil ihnen die Musikhalle nicht gefiele, sondern weil die Gastspiele zu teuer geworden sind. Bei einem privat finanzierten Neubau müssten die Kosten aber auch über die Einnahmen kalkuliert werden. Das hieße, dass die - ohnehin schon hohen - Eintrittspreise weiter verteuert würden. Und davor schreckt schon jetzt jeder Veranstalter zurück. Christoph von Dohnanyi, der designierte NDR-Chefdirigent, befand, die Musikhalle sei für die Musik, für die sie einst gebaut wurde, eine der besten und schönsten Hallen auf der Welt. Die "klassische" Konzertliteratur mit Brahms und Bruckner, Mozart, Beethoven und Mahler macht immer noch 80 Prozent aller Programme aus. Zeitgenossen sind kaum gefragt. Und nur für Zeitgenössische Musik eine neue, mehr als 50 Millionen Euro teure Halle? Sicherlich stünde Hammonia ein "Zirkus Karajani" in der HafenCity gut zu Gesicht. Aber erst, wenn man ihn nicht nur braucht, sondern ihn sich auch leisten kann. Also zurzeit nicht. Konzertveranstalter Hans-Werner Funke (Pro Arte) über die Senatspläne zum Abendblatt: "Man kann ja ruhig mal spinnen, das trainiert das Gehirn. Aber quer durch den Saal muss ich keine Haifische haben. Das lenkt nur ab. In unserer Branche machen sich genug Haie breit."

 

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