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Kultur & Live

"Der Spiegel": Wunschkandidat: "Das Fernsehen ist mein Medium"

Claus Kleber bleibt beim ZDF

"Heute-journal"- Moderator wird nicht Nachfolger von Chefredakteur Stefan Aust.

Hamburg. "Das wäre der GAU", sagte noch am Dienstag ein ehemaliger "Spiegel"-Chefredakteur dem Abendblatt. Jetzt ist der größte anzunehmende Unfall (GAU) für Europas größtes und Deutschlands wichtigstes Nachrichtenmagazin, den "Spiegel", eingetreten. Claus Kleber, Chefmoderator und Leiter des ZDF-"heute-journals", gab gestern Abend bekannt, dass er nicht Chefredakteur beim "Sturmgeschütz der Demokratie" an der Hamburger Brandstwiete werden wolle. Der Journalist bleibt lieber beim ZDF. "Das Fernsehen ist mein Medium", zitierte das ZDF den 52-Jährigen. Das Angebot, Nachfolger von Stefan Aust an der Spitze des "Spiegels" zu werden, sei eine große Ehre. "Ich traue mir die Aufgabe zu und habe meine Entscheidung gründlich abgewogen. Es ist also keine Entscheidung gegen das wichtigste Print-Magazin, sondern für das beste TV-Magazin."

Kleber fügte hinzu: "Wir stehen mit dem ,heute-journal', mit unseren Nachrichtensendungen im ZDF an der Schwelle des digitalen Zeitalters. Die Informationsgesellschaft wird sich verändern, ein ungeheuer spannender Prozess. Den will ich zusammen mit meinem Team gestalten."

ZDF-Intendant Markus Schächter hatte um Kleber geworben, freut sich nun erklärtermaßen sehr über die Entscheidung: "Claus Kleber ist der Spitzenmann des deutschen TV-Journalismus." Er stehe für Kontinuität, Professionalität und Zuschauernähe. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagte: "Ich habe Claus Kleber 2003 von der ARD geholt, warum sollte ich ihn jetzt zum ,Spiegel' ziehen lassen? Wir haben verabredet, dass das ZDF-Nachrichtenmagazin ,heute-journal' energisch als Topformat ausgebaut wird."

Armin Mahler, Geschäftsführer der "Spiegel"-Mitarbeiter KG, die 50,5 Prozent der Anteile besitzt, "bedauert es sehr, dass Claus Kleber nicht kommt, er hätte gut zu uns gepasst". Man werde die Suche nach einem neuen Chefredakteur in Ruhe fortsetzen. Neben der Mitarbeiter KG sind der Verlag Gruner+Jahr (25,5 Prozent) sowie die Augstein-Erben beteiligt. Dass der Name Kleber vorzeitig bekannt geworden war, wird "Spiegel"-intern den Erben angelastet. Sie seien gegen die Berufung des TV-Mannes gewesen und hätten so die Berufung hintertrieben.

Dass Kleber der Wunschkandidat von Mitarbeiter KG und Gruner+Jahr war, verwunderte in Branchenkreisen, schließlich verfügt er über keinerlei Erfahrung im Magazin-Journalismus. "Der soll ja auch nicht das Heft machen, sondern anregen, moderieren und repräsentieren", erklärte ein leitender "Spiegel"-Mitarbeiter, "das Blatt machen wir schon alleine." Hatte die selbstbewusste "Spiegel"-Redaktion sich deswegen für Kleber und nicht etwa für den ausgewiesenen Print-Journalisten und Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau", Uwe Vorkötter, ausgesprochen? Neben Kleber war auch ein anderer Fernsehmann, Volker Herres vom NDR, im Gespräch gewesen.

Einen Aust-Nachfolger zu finden wird jetzt noch schwieriger. Jeder, der gefragt wird, könnte das als zweite Wahl empfinden . . .

 

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