Recherche: ZDF zeigt Dokumentarfilm
War es eine Verschwörung?
Berlin. Weil sich um den Anschlag auf das World Trade Center Dutzende von Verschwörungstheorien ranken, widmet das ZDF diesem Aspekt heute um 20.15 Uhr einen Beitrag seiner Reihe "Mythos und Wahrheit". Auf die Frage, warum die Bush-Administration Drahtzieher des Verbrechens gewesen sein sollte, antwortet darin der US-Dokumentarfilmer Alex Jones so: "Aus den gleichen Gründen, aus denen Hitler seinen eigenen Radiosender angegriffen hat: um einen Vorwand für den Krieg gegen Polen zu haben. Sie tun das, um die Wirtschaft anzukurbeln. Sie tun das, um sich persönlich zu bereichern!"
Um es vorwegzunehmen: Michael Renz und Guy Smith, die beiden Autoren des Films "Der 11. September 2001", haben keinerlei Beweise dafür gefunden, dass das Weiße Haus in den Anschlag verstrickt gewesen wäre. Auch wenn Verschwörungstheoretiker wie der US-Philosophieprofessor Jim Fetzer oder der ehemalige deutsche Bundesminister Andreas von Bülow daran festhalten. Fetzer ist Gründer der Gruppe "Scholars for 9/11 Truth", von Bülow hat dem Anschlag das Buch "Die CIA und der 11. September. Internationaler Terror und die Rolle der Geheimdienste" gewidmet. Beide Männer sind überzeugt, dass es Sprengsätze waren, die das World Trade Center zum Einsturz brachten. Ein Indiz dafür seien die weißen Wölkchen, die vor dem Kollaps aus den unteren Etagen der Türme entwichen seien. New Yorks Feuerwehrchef hat aber eine einfache Erklärung dafür: Es sei pulverisierter Gips, der durch den von oben ausgeübten Druck aus den Fugen entweiche.
Von Bülow lässt sich trotzdem nicht beirren. Weltweit, sagt er, sei keine einzige Stahlkonstruktion aufgrund eines Feuers zusammengestürzt. Aber auch das widerlegen im Film die Fachleute: Der Brandschutz in beiden Türmen war mangelhaft. Wäre er vorschriftsmäßig gewesen, hätten die Türme länger gestanden, hätten mehr Menschen gerettet werden können. Renz und Smith betonen immer wieder, dass sie während ihrer Recherchen auf eine "Mauer des Schweigens" gestoßen seien. Hinter vorgehaltener Hand hätten viele Befragte von einem Maulkorb gesprochen, den man ihnen umgehängt habe. Andere hätten aus Sorge um ihre Karrieren geschwiegen. Die Filmautoren schließen daraus, dass es nur einen Grund geben kann, warum das Weiße Haus nicht mit den Verschwörungstheorien aufräume: Weil sie die Nation von den Fehlern und Versäumnissen der Bush-Regierung ablenkten. Tatsächlich wurde den TV-Leuten u. a. verwehrt, das Attentat auf einem Boeing-Simulator nachzuvollziehen. Nicht nur in den USA, sondern auch in Frankfurt/Main.
Guido Knopp, Leiter des Programmbereichs Zeitgeschichte und Zeitgeschehen beim ZDF, ist trotzdem stolz auf diese Koproduktion mit der BBC: Legenden, sagt er, seien mitunter so wirkungsmächtig, dass es sich lohne, sie zu entzaubern.













