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Kultur & Live

Kulturtalk: Seit zehn Jahren sonntags nach Mitternacht

Mit Volker Panzer am Kamin

Es ist ein eher jüngeres Publikum, das beim Fernsehen und mit dem Fernsehen denken möchte.

Hamburg. Volker Panzer ist Realist: "Die Sendung mit Volker Panzer kennt kein Mensch. Die Sendung mit dem Kamin sagt den meisten etwas." Seit zehn Jahren bittet der ZDF-Moderator Panzer seine Gäste um das virtuelle Feuer: Wissenschaftler, Philosophen, Schriftsteller und Schauspieler. Eine Stunde lang wird sonntags nach Mitternacht über "Bullshit und Wahrheit", "Was ist Gerechtigkeit?" oder "Einkommen als Menschenrecht" diskutiert. "Die Themenvielfalt ist unendlich. Wir können über alles reden", sagt Panzer - ein Leitsatz seit 290 Sendungen. Das "nachtstudio" sieht sich als "eine Plattform für den Austausch von Ideen". ZDF-Kulturchef Peter Arens sagt: "Bei uns gibt es keinen Häppchen-Journalismus. Wir nehmen uns Zeit für Themen." Das wollen im Durchschnitt zwischen 300 000 und 500 000 Zuschauer sehen, rund 40 Prozent sind dabei unter 49. Thema der erfolgreichsten Sendung: die Ferieninsel Mallorca.

"Nachts darf das Medium Fernsehen noch träumen" - unter dieser Prämisse ging das "nachtstudio" am 3. September 1997 auf Sendung. Das darf es heute nicht mehr. "Die Konkurrenz schläft nie", sagt Panzer, auch nicht nach Mitternacht. Selbst wenn die Quote zweitrangig ist, ist auch das "nachtstudio" in den letzten Jahren "zuschauerfreundlicher" geworden. Die "Langen Nächte", wie sie zuletzt zum 200. Todestag von Friedrich von Schiller stattfand, gehören der Vergangenheit an. "Weichere und frauenaffine Themen wie die Eva Hermann-Debatte kommen beim Publikum besser an als Technik, Musik oder Lyrik", weiß Panzer. Das hat den Stil der Sendung beeinflusst: "Am Anfang waren wir wissenschaftlicher, jetzt sind wir lockerer geworden", sagt er, und: "Ich stelle kürzere Fragen. In früheren Sendungen konnte man mir noch beim lauten Denken zusehen."

Insgesamt 1140 Gäste hat der 60-Jährige in seiner Sendung begrüßt, vor allem Professoren und Autoren, selten nur Politiker. "Politiker sollen nicht als Politiker, sondern als Menschen zu uns kommen", sagt Panzer. Das scheint selten attraktiv. Zum "Lieblingsgast" erklärte Panzer zwei Verstorbene: den früheren SPD-Bundesgeschäftsführer Peter Glotz und den Hirnforscher Detlef B. Linke, der es nie in andere Talkshows, dafür zehnmal ins "nachtstudio" geschafft hat. Auch der Medienwissenschaftler und Philosoph Norbert Bolz und der Ornithologe Josef H. Reichholf wurden jeweils zehnmal von Panzer eingeladen.

Um "Strategien der Weltverbesserung" kreist die Jubiläumssendung an diesem Sonntag. "Der Kult im Kasten" war Titel der ersten Sendung. Kult ist sie vielleicht nicht, die mitternächtliche Kaminrunde - aber bis zu Panzers Pensionierung und seinem Abschied vom "nachtstudio" sind es ja schließlich noch fünf Jahre.

 

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