Interview: Organisator Christian Gerlach über das Kiez-Klub-Spektakel
Musik-Marke Reeperbahn
Kleiner, aber feiner: Ende September geht das dreitägige Festival in die zweite Runde.
HAMBURG. In knapp sieben Wochen gibt es die zweite Auflage des Reeperbahn-Festivals in 15 Klubs auf dem Kiez. Inzwischen sind 83 von circa 120 Bands bestätigt. Mit Juliette & The Licks, Anna Ternheim und Ash sind gerade drei international bedeutende Künstlerinnen und Bands unter Vertrag genommen worden. Das Abendblatt befragte Christian Gerlach, einen der beiden verantwortlichen Geschäftsführer, zum Programm, zu Hürden bei der Planung und zur Bedeutung des Festivals für Hamburg.
ABENDBLATT: 2006 ist das Reeperbahn-Festival groß wie ein Ozeanriese gestartet. In diesem Jahr ist es, was die Anzahl der Klubs und Bands angeht, zurückgefahren worden. Warum?
CHRISTIAN GERLACH: Wir haben versucht, zahlreiche Interessen zu berücksichtigen und das Ganze breit aufzustellen. Erst nach dem Festival konnten wir uns hinsetzen und sehen, was inhaltlich funktioniert hat und was das Publikum vom Konzept verstanden hat. Danach haben wir das Konzept dann verfeinert. Es gibt kein vergleichbares Festival in Deutschland, deshalb konnten wir vieles vorher einfach nicht wissen.
ABENDBLATT: Was hat denn nicht funktioniert?
GERLACH: Wir konnten den Besuchern nicht vermitteln, dass es nicht darum geht, wie etwa bei anderen Festivals, große Namen abzufeiern. Wir wollten, dass das Publikum von Klub zu Klub geht und sich neue Künstler ansieht. Viele Bands haben wir zu einem Zeitpunkt angekündigt, als diese noch kaum jemand kannte. Die waren dann erst zum Zeitpunkt des Festivals so richtig im Kommen - wie die Rifles, Paolo Nutini oder Nerina Pallot. Mit unserem innovativen Anspruch haben wir die Musikfans wohl etwas überfordert. Wir müssen ihnen etwas an die Hand geben - Leuchttürme, die sie kennen - und drumherum Neues präsentieren.
ABENDBLATT: Werden die Fans nicht enttäuscht sein, dass das Festival kleiner wird? In der Regel ist es ja umgekehrt, dass Veranstaltungen langsam wachsen.
GERLACH: Das Festival wird 2007 konzentrierter sein. Nur die Theater und Klubs sind raus, die wenige Besucher hatten. Ein paar Theaterproduktionen waren nicht gut besucht, die klassischen Klubshows dagegen sehr gut. Wir konzentrieren uns in diesem Jahr mehr auf die Rock- und Popfans, die wir bereits erreicht haben. Man kann in so ein Festival offensichtlich leider nicht noch ein Jazzfestival integrieren. Wir wollen die Veranstaltung wieder wachsen lassen, aber gemeinsam mit dem Publikum.
ABENDBLATT: Zur Festival-Premiere 2006 gab es mit Tomte einen spektakulären Auftakt auf dem Spielbudenplatz, der damals das erste Mal live bespielt wurde - allerdings nur auf Zimmerlautstärke. Ist wieder Ähnliches geplant?
GERLACH: Das Festival hat der Stadt dieses Konzert geschenkt, um für das Festival zu werben. Das war als einmaliger Auftakt gedacht. Wir würden so einen Auftritt nur noch einmal planen, wenn wir wüssten, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Wir hatten damals versucht, eine Ausnahmegenehmigung für ein großes Konzert auf dem Spielbudenplatz zu bekommen, diese aber nicht erhalten. Die Fläche ist aber - wie 2006 - zentrale Anlaufstelle für Ticket- und Info-Stände. Tagsüber spielen Bands auf den Bühnen, abends nur in den Klubs.
ABENDBLATT: 15 Klubs sind dabei. Gibt es unter den Betreibern eine Konkurrenz, wer die attraktivsten Abende präsentieren darf?
GERLACH: Wir haben eine Art Festival-Intendanz. Eine Booking-Runde macht sich intensive Gedanken über das Programm. Dabei berücksichtigen wir, welche Klubs die Fans anziehen und welche Musikfarbe die Läden haben. Wir beraten uns mit den Betreibern. Die wiederum haben verstanden, dass das Festival dem Konzept nach zentral organisiert werden muss.
ABENDBLATT: Firmen wie Coca-Cola und T-Mobile schmeißen verstärkt mit Geld um sich, um namhafte Bands bei ihren Events spielen zu lassen und sich mit deren Image zu schmücken. Welche Auswirkungen hat diese Konkurrenz auf das Reeperbahn-Festival?
GERLACH: Das Problem besteht darin, was wir uns inhaltlich vorgegeben haben: Wir wollen viele Bands, viele Klubs. Das Budget ist für jeden einzelnen Act viel geringer als bei den Festivals auf der grünen Wiese. Die haben eine Bühne mit einer Produktion und können mehr Geld in Gagen stecken. Wir jedoch müssen Bands finden, die Lust auf unser Konzept oder eine Verbindung zum Kiez haben. Die Suche ist kompliziert, da erleidet man auch mal Schiffbruch und bekommt Absagen von Bands, die man sicher glaubte. Weil denen anderswo oft das Drei- bis Vierfache geboten wird. Da wollen und können wir nicht mitspielen.
ABENDBLATT: Filmfest und Reeperbahn-Festival starten genau am selben Tag. Kannibalisiert sich da nicht das Publikum?
GERLACH: Terminliche Überschneidungen gibt es nur Donnerstag, Freitag und Sonnabend, da das Filmfest ja viel länger dauert als das Reeperbahn-Festival. Inhaltliche Überschneidungen dürfte es ruhig noch viel mehr geben. Deswegen haben wir Gespräche über mögliche Kooperationen geführt.
ABENDBLATT: Warum sind die Festivaltickets günstiger als 2006?
GERLACH: Der Ticketpreis des vergangenen Jahres ist ja nicht willkürlich festgelegt worden. Der Preis wurde offensichtlich vom Publikum als zu hoch empfunden, in der Branche nicht. Wir haben viel Geld in die Marke und das Marketing gesteckt. Das brauchen wir jetzt nicht mehr in dem Umfang zu tun, weil wir einen ganz guten Start hingelegt haben. Dennoch haben wir uns ein enges Korsett anlegen müssen, um den Ticketpreis halten zu können.
ABENDBLATT: Wenn das Reeperbahn-Festival also beginnt, sich als Marke zu etablieren, - ist da eine gewisse Strahlkraft innerhalb der Stadt und auch über Hamburgs Grenzen hinaus messbar?
GERLACH: Die Resonanz auf das erste Jahr war unglaublich gut. Auch die Hamburg Marketing war sehr zufrieden, vor allem mit der Medienpräsenz des Festivals. Vermehrt fragen in diesem Jahr internationale Medien an. Im Kleinen können wir schon erste Ticketreservierungen aus England und Schweden verbuchen.
ABENDBLATT: Auf welche Acts dürfen sich die Fans denn freuen?
GERLACH: Schwierige Frage bei der Auswahl. Ich finde am Auftaktabend den Bucovina Club mit dem Orchester spannend, weil das so noch keiner gesehen hat. Hochinteressant ist auch Maria Mena am Donnerstag. Diesen Act haben wir sehr früh eingetütet, jetzt ist die Norwegerin ein Headliner geworden. Im Rockbereich gibt's am Freitag einen super Abend mit Hard-Fi und Biffy Clyro, den Warner Music spendieren wird.



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