Hamburg. "Name ist Schall und Rauch". Den Spruch kennen Sie. Faust sagt das in seiner Antwort auf die berühmte Gretchenfrage: "Nenn's Glück! Herz! Liebe! Gott! / Ich habe keinen Namen dafür! Gefühl ist alles; / Name ist Schall und Rauch."

Kein Wunder, dass Faust Ausflüchte macht; hat er doch (wie Gretchen richtig erkennt) "kein Christentum", sondern einen Pakt mit dem Teufel. Außerdem ist die Ausrede faul. Schall und Rauch?

Beachten Sie bitte, wie viel Aufwand und Fantasie wir Menschen auf Namensgebung verwenden und wie viele Einflüsse dabei mitwirken. Früher nannten Eltern ihre Kinder nach der Großmama oder dem Großpapa oder nach Herrschern, gegebenenfalls auch nach Heiligen.

Wer wird denn heute noch Fritz und Marianne genannt, wer will noch Hans und Grete heißen? Jungs heißen heutzutage Kevin oder Tim oder Leon, Mädchen Vanessa oder Michelle oder Eileen (phonetisch: Ailien). Der "angesagteste" Name für Jungs war in den 70er-Jahren übrigens Uwe. Und jetzt hat ein Psychologie-Professor an der TU Chemnitz, der (mit Nachnamen) Rudolph heißt, herausgefunden, dass in den Neunzigern viele Deutsche "mit geringem sozioökonomischem Status" den Vornamen Kevin bevorzugt haben. Wegen Costner vielleicht?

Jedenfalls geht es um Prestige, wenn nicht um mehr. "Es sind drei Kronen: des Richters, des Priesters, des Königs, aber die Krone eines guten Namens ist höher als alle", steht im Talmud. Der Name, den man wählt, ist ein "Statement" (wie die Werbeleute sagen würden), eine Mitteilung an den Rest der Welt. Er soll wirken.

Was aber mögen die "Toten Hosen" bezweckt haben, als sie sich so nannten? Oder die "Grateful Dead"? Oder "Tokio Hotel"? Oder die "Arctic Monkeys"?

Noch üppigere Blüten als bei den Pop-Gruppen treibt die Fantasie der Namensgeber bei den Rennpferden (die selbst dazu wenig beitragen können). Manche dieser Namen sind liebenswürdig und optimistisch: "Amor Amor", "Pretty Man", "Miss Marmelade", "Wonderful Life", "Invincible Hero". Andere wiederum sind völlig verrätselt: "Roxagu", "Anastra", "Spy Glass", "Rososterna", "Samwise Gamgee".

Beim Deutschen Derby am vergangenen Wochenende in Horn startete im zweiten Rennen ein Pferd namens "Bundeskanzler". Gewonnen hat es nicht. Mit Abstand gewonnen hat dieses Derby "Adlerflug". Na, wer sagt's denn: Nomen est omen.