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Kultur & Live

Stadtpark: Die Arctic Monkeys rockten - und 4000 Fans mit ihnen

Nur die Mütter blieben stumm

Neben den Schotten von Franz Ferdinand gilt das Quartett aus Sheffield als die beste junge britische Rockband der Gegenwart.

Hamburg. Döntjes-Erzähler sind die Arctic Monkeys nicht gerade. Aber sehr wahrscheinlich ist das britische Quartett von der unfreiwilligen Pause zu Beginn seines Konzerts im Stadtpark selbst überrascht. Direkt vor der Bühne ist unter dem Druck der wild tanzenden Menge ein Gitter gebrochen, das neu fixiert werden muss. So hätte die Band Gelegenheit, mit den Fans zu kommunizieren oder irgendetwas Lustiges zu veranstalten. Doch nichts. Als Pausenclowns wären die Arctic Monkeys wohl arbeitslos, denn als die Techniker im Bühnengraben werkeln, stehen die vier Musiker etwas schüchtern auf der Bühne herum und warten darauf, dass es weitergehen kann. Ihre Fans nehmen die Verzögerung als kurze Verschnaufpause. Man steht sich gegenüber, ist sich wohlgesonnen - und wartet.

Als Rockband sind die "arktischen Affen" sehr viel erfolgreicher, sodass man sich um die Zukunft der vier 20 und 21 Jahre alten Musiker keine Sorgen machen muss. Im vergangenen Jahr ging ihr Stern mit dem Album "Whatever People Say I Am, That's What I'm Not" auf, in diesem Jahr legten sie mit "Favourite Worst Nightmare" nach. Mehr als zwei Millionen Mal verkaufte sich "Whatever People Say . . .", rund die Hälfte davon ging in Großbritannien über die Ladentische. So einen Run auf eine Newcomer-Band hatte es seit den Beatles nicht mehr gegeben.

Entsprechend groß war und ist die Hysterie um das Quartett aus der Stahlarbeiterstadt Sheffield im Norden Englands. Aber Alex Turner (Gitarre, Gesang), Jamie Cook (Gitarre), Nick O'Malley (Bass) und Matt Helders (Schlagzeug) taugen nicht für Glamour und arrogantes Stargehabe. Wie sie da auf der Stadtparkbühne ihren schnellen Gitarrenrock raushauen, wirken sie wie eine Schülerband, die in der väterlichen Garage zwischen Mittagessen und Schularbeiten Dampf ablässt.

Alle Ventile offen sind auch bei den etwa 4000 Fans. Einige sicher erst 12 Jahre alt, aber schon mit cooler Sonnenbrille auf der Nase, Zahnspangenträgerinnen, schlaksige Teenager und junge Twens, die hopsen und toben wie eine Horde Welpen. "Dancing Shoes", "I Bet You Look Good On The Dancefloor" und "Brainstorm" sind Kracher, die die Arctic Monkeys lässig und genau auf den Punkt raushauen. 90 Minuten lang agieren die Jungspunde konzentriert und abgeklärt. Das Tempo lässt nie nach, einen Durchhänger gibt es nicht. Die abwechslungsreichen Songs und ihre erstaunliche Reife machen die Arctic Monkeys neben den etwas älteren Kollegen von Franz Ferdinand zur derzeit besten jungen Band im Vereinten Königreich. Wenn Alex Turner in seine Gitarre drischt und seine Texte rausrotzt, erinnert er an den jungen Paul Weller vor 30 Jahren.

Die Fans singen jede Liedzeile mit, hochgereckte Arme schlagen den Takt der schrammeligen Hochenergie-Nummern. Nur ein paar Mütter, die im hinteren Teil des von Bäumen umsäumten Halbrunds ein Auge auf ihren noch minderjährigen Nachwuchs haben, stimmen bei den bekannten Refrainzeilen nicht mit ein. Angesichts der von rechts nach links und wieder zurück wogenden Masse blickt eine von ihnen sorgenvoll in Richtung Bühne, doch die vier anwesenden Sanitäter brauchen nicht einzugreifen. Ab und zu wird ein "Crowdsurfer" von der Menge nach vorne bis zum Sicherheitspersonal durchgereicht, aber sehr schnell stürzt er sich wieder in das Getümmel.

Auch ein Union Jack wird von einem ausdauernden Fan während des gesamten Auftritts geschwenkt. Nicht nur angesichts der Nationalflagge dürfte den Arctic Monkeys ihr Hamburg-Konzert vorgekommen sein wie ein Heimspiel.

 

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