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Kultur & Live

Stadtpark: Zeitreise mit The Who

Jeder Generation ihr Stück Rock-Glück

HAMBURG. Wenn dieser Tage verstärkt ältere Rock-Semester auf die Bühne treten, geraten solche Auftritte entweder zur peinlichen Revival-Show oder zur herzerfüllenden Zeitreise. Die wiedervereinigten The Who gehören zur letzten Kategorie und machten gestern im Stadtpark direkt mehrere Generationen glücklich.

Fans der ersten Stunde, die sich noch an die Band-Gründung 1964 sowie die letzten Hamburg-Konzerte 1970 und '72 erinnern können, heben euphorisiert den Bierbecher übers lichter gewordene Haupthaar. Enddreißiger, die in den 80ern die zweite Welle der Mod-Bewegung in Deutschland feierten, haben sich für ihre Helden noch mal den Parka angezogen. Die blau-rot-weiße Zielscheibe als Symbol der Subkultur leuchtet auf Shirts und Buttons. Und ein paar junge Britrock-Fans erhalten in zwei Stunden einen Crash-Kursus darin, woher aktuell angesagte Bands nicht nur das The im Namen, sondern auch ihre raue Energie haben.

Mit dem Opener "I Can't Explain", der ersten Who-Single aus dem Jahr 1965, liefern Ur-Mitglieder Pete Townshend und Roger Daltrey - Gesang und Gitarre - direkt ihren typisch dreckigen Beat. Die schroffen, später zigfach gecoverten Riffs zu Beginn lassen die Menge sofort aufjubeln. Ein nervöser Sound, der The Who einst zu Idolen einer aufbegehrenden Jugend machte, der die Beatles längst zu brav waren. Jungs, die sich mit Insignien des Bürgertums, feinen Anzügen etwa, vom proletarischen Zuhause absetzen wollten, sich aber in ihren Straßenschlachten alles andere als bürgerlich benahmen. Die den Krawall zur Katharsis nutzten, so wie The Who live einst die Instrumente zerstörten.

Wohl um diese Ära wiederzubeleben, spielt die sechsköpfige Band neben Songs wie "Fragments" vom 2006er-Album "Endless Wire" viele alte, aber frisch interpretierte Hits - etwa das elegische "Behind Blue Eyes", den Klassiker "My Generation" und als Zugabe "Pinball Wizard". Mit der Hymne "Who Are You" (1978) feiern sie sich selbst. Und Townshend macht uns mit seinen 62 Lenzen noch mal die Gitarristen-Windmühle. Diese Herren sind alles andere als eine Rentnerband.bir

 

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