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Kultur & Live

Origami: Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe

Vom Glück des Geknickten

Japans Faltkunst beschäftigt sogar Wissenschaftler - und erhebt das Abendblatt zum Kunstobjekt.

Hamburg. Papierflugzeuge, Fächer, das "Himmel und Hölle"-Spiel oder Schiffe - wer hat nicht als Kind mit Begeisterung ein Stück Papier in die wundersamsten Dinge verwandelt? Ohne Schere und Klebstoff, ganz einfach durch Falten. Der Faszination, mit wenig Aufwand komplexe Formen zu entwickeln, erliegen aber keineswegs nur Kinder. Auch wenn Origami, zu Deutsch: Papier falten, gern als Kinderkram abgetan wird. Nein, es sind die Mathematiker und Architekten, die immer neue Systeme der Papierfaltkunst ausklügeln, überall auf der Welt.

Mit der Ausstellung "Falten Gestalten - Meisterwerke des Origami" führt das Museum für Kunst und Gewerbe jetzt die Vielfalt dieser Kunst vor. Zu sehen sind rund 140 Exponate von 44 Gegenwartskünstlern aus den USA, Neuseeland, Israel, England, Frankreich, Vietnam und Japan. Große Wandobjekte sind darunter und filigrane Tierfiguren, amorphe Formfindungen wechseln mit geometrischen Konstruktionen und abstrakten Objekten. So unterschiedlich die Objekte sind, so verschieden ist auch die Motivation der Papierkünstler. Sucht etwa Altmeister Akira Yoshizawa seinen Tierfiguren skulpturale Qualitäten zu geben, denkt der Designer Koryn Miura eher an Materialminimierung bei Blechdosen.

Auf diese Weise räumt die Ausstellung mit einigen Klischeevorstellungen auf. "Origami ist keine Bastelei, sondern eine für das Design ergebnisreiche Sache", sagt Nils Jockel vom Museum für Kunst und Gewerbe. Als Beispiel dafür führt er etwa den Klapphocker aus Filz an, der sich mit einem Handgriff als Teppich oder Spielwiese flach legen lässt. "Und wer denkt bei Origami schon an Weltraumteleskope oder Sonnensegel?" Mit der zum Transport nötigen Stauchung solch riesiger Objekte befasst sich der amerikanische Professor Robert Lang. Er entwickelte ein Computerprogramm, das jedes beliebige Faltmuster erzeugt. In der Ausstellung ist er mit sehr lebensnah wirkenden Papier-Insekten vertreten.

Ihre älteste Tradition hat die Papierfaltkunst in Japan. Seit 2000 Jahren ist sie dort bekannt. "Doch ist es ein Missverständnis, Origami ausschließlich Japan zuzuordnen", sagt Jockel. "Gefaltet wird überall."

Das zeigt die Ausstellung auf beeindruckende Weise. Und wer Lust hat, es auch einmal zu versuchen, kann an einem der vielen Workshops teilnehmen, die das Museum parallel zur Ausstellung anbietet.

  • Museum f. Kunst und Gewerbe bis 26.8., Steintorplatz, Di-So 10-18, Do 10-21 Uhr, Tel. 42 81 34-26 49.

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