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Kultur & Live

Migranten: Kampf um Kultur

Humorvoll gegen Vorurteile

Mit dem Türken Mehmet Kurtulus im "Tatort" gelingt ein weiterer Schritt in die Normalität.

Hamburg. Mehmet Kurtulus wird der erste türkischstämmige "Tatort"-Kommissar - eine Tatsache, die NDR-Programmdirektor Volker Herres als "längst überfällig" bezeichnete. Seinen ersten Einsatz in Hamburg wird der Nachfolger von Robert Atzorn kommendes Jahr im Ersten haben (wir berichteten).

Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Normalität - das meint auch Michael Mangold vom Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie und Initiator der Aktion Integration und Fernsehen. Mangold verweist zudem auf drei aktuelle Grimme-Preisträger mit orientalischem Hintergrund: Bora Dagtekin, Autor der ARD-Vorabendserie "Türkisch für Anfänger", Daniel Speck, Autor von "Meine verrückte türkische Hochzeit" (ProSieben), und Züli Aladag, Regisseur des TV-Dramas "Wut" (WDR).

Ohne das Fernsehen aber, weiß auch Mangold, können große Veränderungsprozesse wie die Integration von Migranten gar nicht gelingen. Laut einer neuen Studie erwarten sie vom Fernsehen gar keine expliziten Integrationsangebote. In türkisch geprägten Familien ist man immerhin dankbar für Informations- und Servicesendungen aller Art, weil sie praktische Hilfe für den Alltag geben. An den Fernsehfilm "Wut" denkt der Forscher dabei weniger; hier eskaliert die Gewalt so lange, bis der Vater den türkischstämmigen Jugendlichen, der seinen Sohn erpresst, tötet. Der Film trägt seinen Anteil zur allgemeinen Diskussion bei; und selbstredend ist der Schluss höchst umstritten.

Daniel Speck hat für seine romantische Komödie "Meine verrückte türkische Hochzeit" bewusst ein anderes Ende gewählt: Die zerstrittenen Familien des deutsch-türkischen Liebespaars raufen sich zu einer gemeinsamen Hochzeit zusammen, denn man sollte bestehende Gräben nicht vertiefen, sondern Brücken bauen.

Specks nächster Film handelt von "Barbara und die Barbaren", darin erzählt der Sohn einer Deutschen und eines Tunesiers von einer deutschen Fliegerin, die sich in einen arabischen Steward verliebt. Der junge Mann möchte Pilot werden; prompt wird ihm unterstellt, er plane einen Anschlag im Stil der Attentate vom 11. September 2001. Man darf die Schattenseiten des Themas nicht ausklammern, findet Speck, aber Humor ist oft das beste Mittel, um Vorurteile aufzudecken. Das Schlagwort vom Kampf derKulturen gefällt ihm gar nicht. Kampf umKultur fände er weitaus treffender: "Wir sollten uns fragen, wie die Kulturen einander bereichern können."

Bora Dagtekins Bücher zu "Türkisch für Anfänger" sind das beste Beispiel dafür, wie das aussehen könnte. Zum Erfolgsgeheimnis der ARD-Serie gehört auch die Beiläufigkeit, mit der das potenziell ballastreiche Thema Integration behandelt wird. Dagtekin - sein Vater ist Türke, die Mutter Deutsche - hat die Serie so konzipiert, dass Integration nur ein Aspekt eines ganzen Themenensembles ist; viel entscheidender ist der Patchwork-Charakter der Familie.

 

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