New York: Das NDR-Sinfonieorchester spielte vor den Vereinten Nationen
Eine Hamburger Eroica für die Welt
Der 50. Jahrestag der Römischen Verträge wurde im Großen Saal der Uno mit starken Akzenten aus Hamburg gefeiert.
z. Zt. New York. Gekommen waren 1500 Gäste aus allen Mitgliedsländern der Uno in den beeindruckenden Saal der Vollversammlung der Vereinten Nationen, um den 50. Geburtstag der Europäischen Gemeinschaft (EU) zu feiern. Nur böse Menschen würden auf den Gedanken kommen, dass die von den Vertretungen der EU und Deutschlands sowie dem deutschen Generalkonsulat in New York organisierte Feier die Wertschätzung widerspiegelt, die das Vereinte Europa und die Vereinten Nationen einander entgegenbringen.
Vier minimalistische Ansprachen, bei denen sich die Präsidentin der Vollversammlung durch ein Video vertreten ließ, die Vizegeneralsekretärin Asha-Rose Migiro Willkommen und alles Gute zum Geburtstag wünschte und der Vizepräsident der EU-Kommission Siim Kallas die Uno-Charta als Leitstern bei der Entwicklung des Vereinten Europas lobte. Wenigstens ging für Hamburg - der Stadt, die mit dem NDR-Sinfonieorchester den inspirierenden kulturellen Rahmen lieferte - der Erste Bürgermeister Ole von Beust an die Mikrofone und dankte der EU für 50 Jahre friedliches und erfolgreiches wirtschaftliches, soziales und kulturelles Leben in der Gemeinschaft, von dem Hamburg besonders profitiert habe.
Das nachfolgende Video über die EU-Feierlichkeiten in Berlin möchte man am liebsten ungesehen machen: eine völlig unkommentierte, nicht einmal mit englischen Untertiteln erklärte Schnipselcollage von Vertragsunterzeichnung, Schloss Bellevue, Rocker Joe Cocker, den Blue Men, irischen Folkgruppen, Brandenburger Tor, großem Bahnhof und großem Feuerwerk, der Kanzlerin und immer mal wieder Außenminister Frank-Walter Steinmeier dazwischen, darunter Beethovens Neunte als Soundtrack - hoffentlich bastelt sich niemand in der großen Welt aus diesen inhaltsentleerten paar Minuten sein gültiges Bild der Europäischen Gemeinschaft und Deutschlands. Der Filmproduzent wurde im Abspann stolz genannt: Auswärtiges Amt, 2007.
Mit seinem Bürgermeister und dem NDR-Sinfonieorchester unter Christoph von Dohnanyi rettete Hamburg die Ehre der EU. Die abschließende dritte Sinfonie von Beethoven klang zwar in der prekären Vollversammlungsakustik (die ja nicht für Konzerte entworfen wurde) wie auf einem Seziertisch, denn jegliches Klangvolumen wurde wie von einem Löschblatt weggesaugt, und jedes Orchestermitglied klang praktisch wie ein Solist. Aber die Musiker kämpften sich hoch achtbar durch diese architekturbedingte Widrigkeit, produzierten einen hochtransparenten, fast kammermusikalischen Klang; Hörner und die Holzbläser leisteten Beachtliches, und die Tonschönheiten der hochsensibel und wunderbar differenziert gespielten Pauken kamen prächtig zur Geltung. Am Ende war es dann doch eine beeindruckende Eroica, die in diesem Fall international bejubelt wurde, denn wenigstens sie ließ an diesem Abend mit dem Titel "Celebrating Europe 50th Anniversary of the Treaty of Rome" tatsächlich noch etwas von den Leistungen und der Bedeutung Europas anklingen, die man anfangs und in den Bilder schmerzlich vermissen musste.















