Symphoniker in der Laeiszhalle
Ungewohntes auf die Ohren
HAMBURG. Eine Lehrstunde des Hörens erteilte Musikhochschul-Präsident Elmar Lampson im sechsten Laeiszhallen-Konzert der Hamburger Symphoniker. In seiner zweisätzigen 2. Sinfonie "Gesang des Marsyas" wird das Ohr immer wieder durch große tonale Klangflächen und Dreiklangsmelodik für Vertrautes justiert, um sich dann in Clustern und Zwölftonstrukturen zurechtfinden zu müssen. In Lampsons anthropozentrischer Tonsprache stehen sich im harmonischen Choral der Blechbläser und dem atonal zerstäubenden Streichersatz zwei Welten gegenüber, zwischen denen der Hörer wandern soll - und rasten an Punkten des Innehaltens. Das Publikum bedankte sich angetan beim anwesenden Lehrmeister für den Gehörbildungsunterricht.
Eine Lektion in vergleichendem Hören erhielt, wer bereits am letzten Dienstag Elgars Cellokonzert, zelebriert von Truls Mærk und der Jungen Deutschen Philharmonie unter Eiji Oue, erlebt hatte. Kein absolutes Gehör musste einem einflüstern, dass der Celloton von Rostropovich-Schüler David Geringas heller und kratziger ist als der von Mærk. Geringas, der inzwischen optisch mehr Ähnlichkeit mit Außenminister Steinmeier aufweist als mit seinem in die Jahre gekommenen Künstlerfoto im Programmheft, brillierte vor allem in den flirrenden Passagen des quirligen zweiten Satzes, dem die Symphoniker leider das Filigrane nahmen.
Enttäuschender Dienst nach Vorschrift dann in Beethovens Eroica unter Alexander Brigers immerhin auswendigem, wachen Dirigat. Dem Trauermarsch im zweiten Satz fehlte die unerbittliche Härte, dem wild synkopierenden Scherzo im dritten das Scherzhafte. Erst das Finale brachte Energie und Farbigkeit in eine ansonsten wenig heroenhafte Interpretation.



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