Die Go-Spielerin Shan Sa - vom "Aufsteigenden Stern Pekings" zum Liebling der Pariser Literaturszene.
Für ihren Roman "Tor des Himmlischen Friedens" erhielt die in Frankreich lebende chinesische Autorin Shan Sa 1998 den renommierten französischen Literaturpreis "Prix Goncourt" in der Sparte "Erstveröffentlichungen" - streng genommen nicht ganz die richtige Kategorie. Zwar war das Buch Shan Sas erster Roman in französischer Sprache, nicht aber ihre allererste Publikation: Bereits im Alter von acht Jahren hatte sie einen Gedichtband veröffentlicht und galt als "Aufsteigender Stern Pekings". Nach dem Massaker auf dem Tiananmen-Platz 1989 emigrierte das Talent nach Paris, wo Shan Sa zunächst ihren Platz als Sekretärin und "Muse" des Malers Balthus fand. Und weiter schrieb. Für ihren dritten Roman "Die Go-Spielerin", der Shan Sa - so ihr Verlag - zum "Liebling der Pariser Literaturszene machte", erhielt sie erneut den "Prix Goncourt de Lyceens". Soeben erschien auch die deutsche Übersetzung. Eine junge, aristokratische Chinesin und ein japanischer Leutnant erleben die beginnenden Kriegswirren der japanischen Invasion in die Mandschurei aus strikt unterschiedlichen Blickwinkeln - und zunächst ohne die geringste Ahnung von der gegenseitigen Existenz. Das Mädchen, das von einem chinesischen Rebellen schwanger wird und mit den Moralvorstellungen ihrer traditionellen Gesellschaft hadert, und der Soldat, der in Briefen an die Mutter jedes Heimweh vermeidet und die Grausamkeiten des Krieges mit so viel Erschrecken wie Gleichmut hinnimmt - es sind zwei gänzlich verschiedene Geschichten, die Shan Sa hier erzählt. Stoff für zwei getrennte Romane eigentlich, erst spät kreuzen sich die Lebenslinien der Protagonisten auf dem "Platz der Tausend Winde", wo sie sich von da ab Tag für Tag zum "Go", dem "Spiel der Götter", wiedersehen. Bemerkenswert: Für beide Figuren wählt Shan Sa die Ich-Perspektive, abwechselnd, was zunächst verwirrt. "Die Go-Spielerin" ist ein Roman, der Konzentration und Geduld fordert. Lässt man sich jedoch auf den Erzählrhythmus ein, bezaubern die Klarheit und die strengen Bilder der Autorin. Shan Sa liest am 25. September im Literaturhaus, 20 Uhr, 6,50/4 Euro














