Diskussion im Literaturhaus
Definitionsgerangel im Zickenkrieg
HAMBURG. Wer bei Google die Begriffe "Heimat" und "Zitate" eingibt, erhält 1 260 000 Treffer. Ein reicher Vorrat an intellektuellem Rüschenrand für eine Veranstaltung, zu der am Donnerstag das Literaturhaus und die Zeit-Stiftung luden: "Wie viel Heimat braucht die Literatur?" lautete das Auftaktthema der neuen Reihe "Stadt. Land. Literatur" - bis zu dem man auf dem Podium allerdings kaum gelangte vor lauter Definitionsgerangel. Was, bitte schön, soll denn das überhaupt sein: Heimat?! Wo zwischen Seneca ("Ubi bene, ibi patria"), Thomas Mann ("Wo ich bin, ist Deutschland") und Peter Alexander ("Meine Heimat ist meine Frau") soll man da suchen?
Hier zahlte sich aus, dass nicht nur die um Seriosität bemühten Schriftsteller Ilja Trojanow ("Der Weltensammler") und Petra Oelker ("Ich sitze hier als wandelnde Hamburgensie") zu Moderator Volker Hage ("Spiegel") gekommen waren, sondern auch die Kritiker Denis Scheck ("Druckfrisch") und Tilman Krause ("Literarische Welt"), die ihren "Klartext"-Auftrag weisungsgemäß erfüllten.
Während Krause also ergriffen in Erinnerungen an "hochintellektuelle" Dinnerpartys und sattgelbe Rapsfelder schwelgte, nannte Scheck beim Thema Heimat die Benutzeroberfläche von Windows und die TV-Serie "Bonanza". Krause (zu allem Überfluss auch noch als Prinzenerzieher-Enkel geoutet) wirft er Karnevalsgebaren vor, woraufhin dieser kontert: "Sind Sie nur stolz darauf, dass Sie so verklemmt sind, oder leiden Sie darunter?" Ein amüsanter Zickenkrieg, bei dem die Ahnung aufsteigt: Ja, auch Eitelkeit wird so manchem zur inneren Behausung.
"Meine Heimat gehört mir", könnte man das Dilemma des Abends in den Worten Ilja Trojanows bündeln oder auf dem Heimweg über ein letztes Zitat grübeln, das dem Autor Franz Hessel unterstellt wird: "Heimat ist Geheimnis, nicht Geschrei". Ach so.



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