Der Künstler Gregor Schneider über sein Cube-Projekt, das nicht zufällig an das Heiligtum in Mekka erinnert.
Hamburg. ABENDBLATT: Herr Schneider, seit Montag wird Ihr Kubus aufgebaut, wann ist er fertiggestellt?
GREGOR SCHNEIDER: Geplant ist, dass er am 22. März zur Eröffnung der Ausstellung fertig ist.
ABENDBLATT: Welche Idee steckt hinter diesem Projekt?
SCHNEIDER: Der "Cube Hamburg 2007" ist in Form, Funktion und Aussehen eine eigenständige Skulptur. Eine Skulptur in dieser Kombination von Maß, Proportion, Material und Aussehen ist noch nie gebaut worden. Sie soll offen sein für alle Interpretationen.
ABENDBLATT: War die Ähnlichkeit mit der Kaaba beabsichtigt?
SCHNEIDER: Ich spreche ganz offen aus, dass diese Skulptur von der Kaaba inspiriert ist. Sie ist eines der schönsten, faszinierendsten und geheimnisvollsten Bauwerke der Menschheit. Besonders fasziniert mich die Tatsache, dass sie ein unfassbarer, unbekannter Raum ist.
ABENDBLATT: Sie wirkt vor allem als monumentale Skulptur.
SCHNEIDER: Der nicht mehr zugängliche Raum war schon lange vorher Thema meiner Arbeit. Neu ist, dass es sich um eine Außenskulptur handelt. Wir haben es mit einem Raum zu tun, der nicht betretbar ist, einem schwarz verhangenen Würfel. Der Würfel bleibt unsichtbar.
ABENDBLATT: Ursprünglich wollten Sie den Kubus 2005 auf der Biennale zeigen. Kam die Ablehnung der Veranstalter für Sie überraschend, oder hatten Sie damit gerechnet?
SCHNEIDER: In Venedig hat mich überrascht, dass man mich für ein Projekt einlädt, mich und meinen Mitarbeiter monatelang daran arbeiten lässt, um mir dann mitzuteilen, dass es aus politischen Gründen nicht realisiert werden kann. Dass die Zensur sogar in die Texte des Katalogs eingegriffen hat und demokratische Spielregeln außer Kraft gesetzt wurden, hätte ich nicht für möglich gehalten.
ABENDBLATT: Vor einem Jahr sollte der Kubus im Hamburger Bahnhof in Berlin gezeigt werden, auch das wurde abgesagt. Wie kam es zu dem dritten Anlauf in Hamburg?
SCHNEIDER: Kunsthallendirektor Hubertus Gaßner hat sich öffentlich für die Realisierung des Kubus ausgesprochen, zu einem Zeitpunkt, an dem noch gar nicht klar war, ob wir eine Baugenehmigung bekommen würden. So muss es aber auch sein. Man muss sich offen für ein Kunstwerk entscheiden.
ABENDBLATT: Die "Zeit" hat den Kubus als "Provokation im Quadrat" bezeichnet. Ist er das?
SCHNEIDER: Nach islamischer Vorstellung ist es weder verboten, die Kaaba nachzubilden, noch nachzubauen. Also was soll gegen eine Assoziation mit der Kaaba in Mekka sprechen? Wichtig ist doch die historische Tatsache, dass Kaaba übersetzt Kubus oder würfelförmiges Bauwerk heißt. So wie wir die Ziffern übernommen haben, haben wir auch den Würfel in der Architektur übernommen. Jeder Kubus in der westlichen Moderne steht in einer Beziehung mit der Kaaba.
ABENDBLATT: Wie waren die Reaktionen der islamischen Religionsgemeinschaften?
SCHNEIDER: Ich habe Muslime gefragt, die mir bestätigt haben, dass mein Projekt ihre Gefühle nicht verletzt. Ich sehe auch die politische Realität. Ich sehe natürlich, dass Symbole politisch-konservativ oder auch religiös-fundamentalistisch benutzt werden.
ABENDBLATT: Glauben Sie, dass Ihr Kubus zu einem Symbol der Toleranz werden kann?
SCHNEIDER: Ich hoffe vor allem, dass dieses Projekt nicht über die Angst transportiert wird, sondern über die Inhalte der Skulptur. Sie verschafft uns hoffentlich einen Zugang zu einem wunderschönen, für uns unfassbaren Raum.



