Sofia Gubaidulina: Erst spielte Gidon Kremer, dann überreichte Karin von Welck den Bach-Preis
Klingende Stille
Hamburg. Wenn Sofia Gubaidulina Stille komponiert, dann kann das schweigsam und beredt zugleich sein, erschütternd und tröstlich, quälend und erquicklich, tragisch und komisch. Gubaidulinas Stille klingt immer, ist selbst in tonlosen Momenten körperlich spürbar, weil in ihr die vorangegangenen Klanggesten noch nachvibrieren. "Ich bin überzeugt, dass alles aus der Stille stammt", erklärte sie vor ein paar Monaten im Abendblatt-Interview.
Was die tatarische Komponistin damit gemeint hat, zeigten Gidon Kremer und die Kremerata Baltica im Rahmen der m-Konzerte eindrucksvoll in der Laeiszhalle: "Die Leier des Orpheus" ist ein Werk, das mit dem Klang experimentiert. Die Musik tastet sich langsam vorwärts, findet zu immer neuen Klängen zusammen, die einander letztlich doch so ähnlich sind. Die Musiker schafften es, dieses Suchen erlebbar und damit den Kompositionsprozess für die Zuhörer nachvollziehbar zu machen.
Und plötzlich ging das gerade mal drei Jahre junge Werk jeden im nahezu ausverkauften Saal etwas an, weil es eine Verbindung zum Leben herstellte, zu dem, was wir vom Leben als Bild besitzen: das Zusammenziehen und wieder Entspannen, die Atmung, das Werden, Vergehen, Kommen und Gehen. Das Publikum war so begeistert, dass es die anwesende Komponistin mit stehenden Ovationen bedachte.
Aber auch das "Rahmenprogramm" konnte sich hören lassen. Famos: Arvo Pärts "Fratres". Packend: Korngolds Sinfonische Serenade. Und einfach zum Dahinschmelzen: Piazollas Tangos mit dem grandiosen Perkussionisten Andrei Pushkarev. Gespenstisch und ätherisch, weil nicht auf Schönklang frisiert: Bachs für Violine arrangiertes Konzert BWV 1056. Verdienter Applaus.




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