Grass-Lyrik: "Dummer August"
HAMBURG. Der doppeldeutige Titel liegt auf der Hand: Dass Grass seinen neuen Gedichtband, der voraussichtlich im März im Steidl-Verlag erscheinen wird, "Dummer August" nennt, verweist auf das darin verhandelte Thema - war es doch im August des vergangenen Jahres, dass der Literaturnobelpreisträger seine frühere Zugehörigkeit zur Waffen-SS öffentlich machte. Was allerdings auf dieses späte Eingeständnis folgte, kann nur ein sehr gelassener Geist als "Dumm gelaufen" bezeichnen.
Aber Grass wäre nicht Grass, wenn er dabei bloß schweigender Beobachter geblieben wäre: eine leidenschaftliche Schelte seiner Kritiker, so heißt es, soll der 80 Seiten starke und 25 Euro teure Band enthalten, der zwar noch nicht auf der Website des Verlags, doch aber (noch ohne Coverbild) bei Online-Buchhändlern angekündigt wird.
Der Kölner Germanist und Grass-Experete Volker Neuhaus bezeichnete den Lyrikband im "Kölner Express" als einen "der intimsten Zyklen", den er je geschrieben hat. Die Gedichte - "reimlos, aber auch sehr dicht, mit witzigen Pointen und überraschenden Wendungen" - seien auf der dänischen Insel Mæn entstanden; sie sollen das Thema des Zyklus "in horrendem Understatement" wiedergeben.
"Dummer August", versehen mit Lithografien und Zeichnungen des Künstlers, ist dessen literarische Reaktion auf die international geführte Debatte der Medien nach Erscheinen der Grass-Biografie "Beim Häuten der Zwiebel" beziehungsweise des enthüllenden FAZ-Interviews vorab. Erste Texte aus dem Werk habe Grass Neuhaus und anderen schon im Dezember vorgelesen. Eine Veröffentlichung der "Kampfstrophen" ("Focus") sei im Freundeskreis von Grass heftig diskutiert worden. Das wiederholt sich vermutlich bald öffentlich.



Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




