Zentralbibliothek: Was die Domplatz-Absage für die Bücherhallen bedeutet
Der teure Plan B am Hühnerposten
Was für den gläsernen Solitär als Vision einer modernen Großstadtbibliothek entwickelt wurde, soll jetzt am alten Standort realisiert werden.
Hamburg. Der Karikaturist Axel Ahrens hatte schon im August den richtigen Riecher, was die Domplatz-Bebauung betraf. In einer Zeichnung für das Magazin "hamburger wirtschaft" zeigte er, wie ein Architekt staunenden Stadtvätern die Spielzeug-Version des umstrittenen Glaskubus präsentiert und fragt: "Ist das jetzt klein genug?" Möglicherweise wäre es so recht gewesen, weil die auffällige Architektur als Miniatur weder zu teuer geworden noch den empfindlichen Sinn der Hamburger für das rechte Maß beleidigt hätte. Doch eines hätte auch dieser Entwurf nicht vermocht: das kulturelle Prestigeprojekt zu ermöglichen, das der Senat in den Mittelpunkt der Neubebauung stellen wollte: eine repräsentative Zentralbibliothek.
Tatsächlich sind die Bücherhallen Hauptleidtragende der Absage des Neubaus. Ironischerweise hatten sie einige Zeit gebraucht, sich das vom Ersten Bürgermeister zur Chefsache hochstilisierte Projekt schönzureden. Denn sie waren erst im Januar 2004 mit ihrer Zentralbibliothek von den beengten Großen Bleichen in den frisch renovierten Backsteinbau am Hühnerposten gezogen. Doch damals durfte nur ein Mietvertrag über fünf Jahre gemacht werden, denn die Idee einer Bibliothek auf dem Domplatz hatte Priorität. So mussten die Bücherhallen, obwohl sie sich am Hühnerposten wohler denn je fühlten, ein Konzept für den Domplatz ausarbeiten. Diese Planungen allerdings entwickelten eine beflügelnde Eigendynamik, was zur detaillierten Vision einer modernen Bibliothek führte, die einer Großstadt angemessen erschien. Doch daraus wird es nach dem Rückzieher des Senats nichts. Stattdessen soll jetzt der Plan B umgesetzt werden. "Die Arbeit der Kulturbehörde konzentriert sich jetzt auf den Ausbau der Zentralbibliothek am Hühnerposten", hieß es Dienstag in einer Pressemitteilung des Senats.
Doch ganz so einfach ist es mit dem Plan B nicht. Denn der Verbleib am Hühnerposten wird wohl deutlich teurer, da unter weniger günstigen Bedingungen als 2003 mit dem Vermieter am Hühnerposten, der Omikron GmbH, über eine Verlängerung des Mietvertrages verhandelt werden muss. Damals hatte Omikron ein so großes Interesse daran, den Hühnerposten durch die Bücherhallen aufzuwerten, dass das Immobilienunternehmen der Bibliothek den Umzug aus den Großen Bleichen sowie neue Regale finanzierte und zudem eine günstige Miete bot. 2003 wäre ein langfristiger Mietvertrag zu günstigen Konditionen möglich gewesen. Doch jetzt ist die Verhandlungsposition für einen Vertrag über 2008 hinaus deutlich schlechter. Eine Mieterhöhung von 30 bis 40 Prozent erscheint vorstellbar. Zudem müssten die Bücherhallen Flächen hinzumieten und Verwaltungsflächen zu Publikumsbereichen ausbauen, da an dem Konzept einer modernen Bibliothek festgehalten werden soll. "Wir würden ungern hinter unsere Vision zurückfallen", sagt Bücherhallen-Direktorin Hella Schwemer. "Egal, an welchem Standort."
Geplant ist, die Kinderbibliothek Kibi am Grindel und die Jugendbibliothek HOEB4U in den Zeisehallen in die Zentralbibliothek zu integrieren. Außerdem werden Flächen für Aufenthaltsräume und Lernzentren benötigt. Und auch die Sortieranlage für die automatische Selbstverbuchungsanlage mit Radiofrequenztechnik (RFID), die vom Herbst 2007 an sukzessive eingeführt werden soll, braucht Platz.
Die Bücherhallen kalkulieren deshalb mit einem zusätzlichen jährlichen Finanzierungsbedarf von mehreren Hunderttausend Euro sowie Investitionsmitteln von drei Millionen Euro. All dies können sie aus ihrem 30-Millionen-Etat nicht finanzieren, zumal ihre Zuwendung nach Jahren der Stagnation gerade erst um 600 000 Euro auf 24,3 Millionen Euro gesenkt wurde. Da Schließungen kleiner Bücherhallen und Zusammenlegungen stets mit vehementen Bürgerprotesten verbunden sind, gibt es auch hier kaum Spielraum. Hella Schwemer jedenfalls sagt schon jetzt: "Es darf keinen Zusammenhang zwischen dem Ausbau am Hühnerposten und Schließungen in den Stadtteilen geben."



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