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Kultur & Live

Im Malersaal wird tief nach Bedeutungen gegraben

Hamburg. Eine ganze Menge hat er sich da vorgenommen, der Roger Vontobel mit seinem Grabbe- Experiment. In Anlehnung an dessen Lustspiel "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" hat der junge Schweizer Regisseur als Koproduktion mit den Salzburger Festspielen einen Abend gestaltet, der sich über das Stück mit dem von Selbstzweifeln und Alkoholexzessen gebeutelten, ewig scheiternden Theaterrebellen auseinandersetzen, gleichzeitig aber auch den Bezug zu heute herstellen und natürlich auch komisch, ironisch und satirisch sein will. Dazu hat er auch jede Menge Einfälle.

Zum Beispiel nimmt er das mit der tieferen Bedeutung gleich zum Anfang auf die Schippe, indem er Dramaturgin Nicola Brahmkamp ins Foyer schickt, die dem wartenden Publikum erst etwas von technischen Problemen mit den Türen vorflunkert, um wenig später zu erklären, dass die Schauspieler noch nach dem tieferen Sinn des Stückes suchen und man deshalb nur von hinten über die Bühne Einlass in den Malersaal finden kann. Heimlich sozusagen, um sie bei der Arbeit nicht zu stören. So recht erschließt sich der Sinn dieses Gags zwar nicht, aber sei's drum.

Im Malersaal selbst sehen wir ein achteckiges Podest, um das in jeweils individuell gestalteten Parzellen - z. B. einem Zelt mit der Aufschrift "Liddys Zelt" - die sechsköpfige Schauspieltruppe gruppiert ist (Bühne: Claudia Rohner). Laut Programmheft sollen sie sogenannte "Grabbiaten" darstellen, die sich auf die Spuren des Dichters begeben und dabei dem Teufel höchstpersönlich (Jana Schulz) begegnen. Der wird irgendwann mit viel Feuer der Bühnenmitte entsteigen und immer wieder verführen und verleiten, und dennoch bleibt er eher Accessoire als sinnerschließende Figur. Zumal das Spiel selbst auch nicht wirklich erhellend ist.

Die durch historische Kostüme (Petra Winterer) bereits in ihren Rollen definierten Figuren wie der versoffene Schulmeister (Klaus Rohdewald), der hässliche Herr Mollfels (Daniel Wahl), der scheiternde Dichter Rattengift (Glenn Goltz) oder die allseits umworbenen Liddy (Monique Schwitter) können zu wenig das Spiel im Spiel vermitteln, vieles geht unter in einem mit viel Spielfreude, aktueller Musik (Nabil Hnid) und Einfällen gestalteten Durcheinander, das sich in knapp zweieinhalb Stunden auch irgendwann verzettelt. Möglich, dass Vontobels Ziel doch ein wenig zu hoch gesteckt war.

  • Scherz, Satire, Ironie . . . Malersaal, wieder am 22.10., 20 Uhr, Karten unter T. 24 87 13

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