Verfahren gegen Riefenstahl
Frankfurt am Main/Starnberg. An ihrem gestrigen 100. Geburtstag ist die Regisseurin Leni Riefenstahl ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Unter dem Verdacht der Volksverhetzung und der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener wurde in Frankfurt ein Ermittlungsverfahren gegen die wegen ihrer NS-Propagandafilme umstrittene Filmemacherin eingeleitet. Grundlage ist ein Strafantrag des Kölner Roma-Vereins Rom, der Riefenstahl Holocaust-Leugnung vorwirft. Ein Sprecher Riefenstahls erklärte in Pöcking am Starnberger See zu den Vorwürfen, Riefenstahl habe die ihr zur Last gelegten Äußerungen bereits bedauert und zurückgezogen. Weitere Erklärungen werde sie auf Anraten ihrer Anwälte nicht mehr machen. Der Strafantrag des Roma-Vereins bezieht sich auf Äußerungen Riefenstahls in einem Interview, das im Magazin der "Frankfurter Rundschau" am 27. April 2002 erschienen war. Riefenstahl habe "wahrheitswidrig" behauptet, sie habe "alle Zigeuner, die in (ihrem Film) ,Tiefland' mitgewirkt haben, nach Kriegsende wiedergesehen. Keinem einzigen ist etwas passiert." Dies sei eine "infame Lüge", so der Vorwurf des Vereins Rom. Laut Roma-Verein hat Riefenstahl nach Aussage einer ehemaligen "Zigeuner-Komparsin" vom "Tiefland"-Film Anfang der 40er-Jahre rund 120 Sinti und Roma aus NS-Lagern als Zwangsarbeiter für den Film missbraucht. Die meisten seien ermordet worden oder seien an den Haftbedingungen zu Grunde gegangen.













