Pamphlet - Oriana Fallaci warnt in ihrem neuen Buch vor dem Islamismus und zu viel "political correctness".
Hamburg. "Ich finde es beschämend, dass die üblichen Opportunisten der politischen Korrektheit gehorchen und das Wort Frieden ausbeuten. Dass sie im Namen des Friedens einseitigen Hass und einseitige Bestialität schönreden. Ich finde es beschämend, dass man es für richtig hält, der Zahl der seit Beginn der zweiten Intifada getöteten Israelis (derzeit 412) einen Beigeschmack von Alltäglichkeit zu verleihen." Oriana Fallaci hat am 11. September in New York die Terrorangriffe der moslemischen Gotteskrieger miterlebt. Sie schreit ihre Wut auf diese Attacke gegen unsere Zivilisation heraus. Sie bebt vor Zorn über die Verweichlichung der Westler, die sich nicht zu wehren wüssten. Zehn Jahre hat Oriana Fallaci, einst die bedeutendste Journalistin der Welt, geschwiegen. Zehn Jahre, in denen sie nur auf verabredete Zeichen ans Telefon ging, kaum Post beantwortete, sich nie interviewen oder fotografieren ließ. Zehn Jahre, in denen sie auch gegen den Krebs kämpfte. Doch die Wut, die die in New York lebende Italienerin angesichts der Terroranschläge packte, brachte sie wieder zum Schreiben. So entstand in nur wenigen Wochen ihr Buch "Die Wut und der Stolz", das voller Emotion unser westlich-europäisches Wertesystem verteidigt und ebenso leidenschaftlich dafür plädiert, jeden islamischen Eingriff in unsere Kultur vehement abzuwehren. In Italien wurden mehr als eine Million Exemplare verkauft. In Frankreich steht Fallaci seit Wochen auf Platz eins der Sachbuch-Bestenliste. Heute erscheint das Buch, nachdem Fallacis Hausverlag Kiepenheuer & Witsch es nicht drucken wollte und auch Hanser-Verleger Michael Krüger ablehnte, im List Verlag (176 S., 18 Euro). Fallaci empört sich über antiisraelische Demonstrationen in Europa, beschimpft Politiker, die zulassen, dass moslemische Emigranten in Kirchen urinieren, artikuliert die Angst vor kultureller Überfremdung Europas durch Muslime, die die westliche Kultur missachteten. Vor allem ruft sie, nach den Angriffen vom 11. September, den Westen zum Gegenangriff gegen den Islam auf. "Ich finde es beschämend, dass so viele Europäer sich zu Vasallen des Herrn Arafat machen. (...) Dieser pompöse Stümper, der sich in der Rolle des Staatsoberhauptes gefällt, ließ die Verhandlungen von Camp David scheitern und schrie: ,Nein-nein-Jerusalem-ich-will-alles-haben-für mich'". Kein Zweifel, sie verachtet die Moslems, die "unsere Welt zerstören wollen", die sich in Europa "vermehren wie Ratten" und für erhöhte Kriminalität sorgen. Dafür wurde sie von französischen Bürgerrechtsorganisationen als "Rassistin" beschimpft und wegen "Anstiftung zum Rassenhass" angezeigt. Der Prozessbeginn ist auf den 9. Oktober festgesetzt. In der großen Debatte, die seit Anfang Juni in den französischen Medien geführt wird, stehen Verteidiger der Meinungsfreiheit gegen Gegner der Thesen Fallacis. Aussagen und Tonfall des Buches gelten weithin als inakzeptabel. Der Publizist Bernard-Henri Levy nannte das Buch eine "unannehmbare Provokation". Er schrieb, es erinnere ihn an den Autor Louis-Ferdinand Celine ("Reise ans Ende der Nacht"), der für seine antisemitischen Hassschriften nach Ende des Zweiten Weltkriegs ins Gefängnis kam. Auch in Fallacis Heimatland Italien stieß das Buch schnell auf beißende Kritik, nicht nur unter Politikern jeglicher Couleur. "Alle Religionskriege, die die Erde mit Blut besudelt haben, entstanden aus leidenschaftlicher Unterstützung einer Sache und simplifizierender Ablehnung. Wir und die Anderen, Gut und Böse, die Weißen und die Schwarzen", mahnt der Schriftsteller Umberto Eco. Es sei gefährlich, die Idealisierung einer Kultur voranzutreiben, die auch auf Bücherverbrennungen, Verdammung "entarteter Kunst" und Völkermord zurückblicke. Die Journalistin Chiara Valentini, nach eigenen Angaben eine Bewunderin Fallacis, bemängelt vor allem die Kurzsichtigkeit, mit der Fallaci den Islam betrachtet: "Während die Welt Jagd auf Terroristen macht, suggerierst du den Italienern, sie sollten Jagd auf Immigranten machen." Filippo Facci von der regierungsfreundlichen Mailänder Tageszeitung "Il Giornale" macht Fallaci den Vorwurf, sie habe die Gunst der Stunde genutzt und vor schamloser Raffgier nicht zurückgeschreckt. Er gestehe ihr große Courage zu, etwas zu schreiben, was ihr schließlich eine Morddrohung einbrachte und sie in eine Reihe mit Salman Rushdie einstufte. Fallaci schreibt, was auch andere Autoren wie der moslemische Göttinger Politik-Professor Bassam Tibi äußerten: Die islamische Welt führe einen heiligen Krieg gegen unsere Zivilisation. Die Islamisierung Europas und der westlichen Welt sei bereits in vollem Gange und fester Bestandteil der islamischen Weltanschauung. Fallaci: "Sie wollen alles, was wir uns seit der Zeit der Aufklärung erworben haben, zerstören. Freiheit, Demokratie, Menschenrechte." Fallacis wütende Wortkaskaden gelten auch dem verweichlichten Westen. "Wir sind bequem geworden", behauptet sie. Anstelle der Leidenschaft sei Rationalität getreten. Sie klagt die ach-so-liberalen Europäer an, die Verständnis für die Moslemkrieger einfordern würden, indem sie sagen: "die Amerikaner haben selbst Schuld" oder "dies ist ein Aufbegehren der Armen gegen die Reichen" oder "der Kolonialismus rächt sich". Unsere westliche Zivilisation scheint an Kraft und Identität zu verlieren, so Fallaci. Warum reagiere niemand, wenn der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime beim Deutschen Katholikentag auf die Frage, ob der Koran mit dem Grundgesetz vereinbar sei, antwortet: "Solange wir in der Minderheit sind, ja." Wollten wir nicht hören, was gemeint sei? Denn auch das beklagt Fallaci: dass die political correctness der Amerikaner und Westeuropäer Denkverbote befördere. Sie will zeigen, wo all das hinführen könnte.














