Dialog: Museumschef Hubertus Gaßner empfing 15 moslemische Geistliche aus Hamburg. Gregor Schneiders Kunst-Kubus, der 2007 in Hamburg aufgestellt werden soll, führte Imame ins Museum.

Hamburg. Ahmet Yazici, der stellvertretende Vorsitzende des Bündnisses islamischer Gemeinden in Norddeutschland, erinnert sich noch gut an den Anruf der Abendblattredakteurin. Am 7. März hatte sie ihn gefagt, ob sich Muslime in ihren religiösen Gefühlen beleidigt fühlen könnten, wenn der in seiner Form an die Kaaba in Mekka erinnernde Kubus des Künstlers Gregor Schneider im März nächsten Jahres zwischen alter Kunsthalle und Galerie der Gegenwart aufgestellt würde. "Warum sollten wir uns beleidigt fühlen? Schließlich gibt es in vielen moslemischen Häusern Abbildungen der Kaaba", antwortete Yazici damals.

Der Skandal ist ausgeblieben, den manche Beobachter schon heraufziehen sahen durch die Idee von Kunsthallen-Chef Hubertus Gaßner, Schneiders zunächst in Venedig und später in Berlin aus Angst vor islamistischen Protesten gescheitertes Kubus-Projekt 2007 im Rahmen der Malewitsch-Ausstellung in Hamburg zu realisieren. Statt dessen kam es zu einem erstaunlichen Dialog zwischen Vertretern des Bündnisses islamischer Gemeinden in Norddeutschand und Hamburgs größtem Kunstmuseum.

Nach zwei Treffen im kleineren Kreis empfing Gaßner nach dem Freitagsgebet 15 Hamburger Imame, vier religiöse Lehrer und zwei Vorstandsmitglieder des Bündnisses in der Kunsthalle. "Der Schwarze Kubus war nicht als Provokation gedacht, sondern im Gegenteil als Einladung zum Dialog. Ich bin sehr glücklich, daß Sie diese Idee auch so verstanden haben", sagte Gaßner und fügte hinzu: "Die Kunst beginnt da, wo die Gewalt aufhört." Ahmet Yazici, der sich bereits im April erstmals mit Gaßner getroffen hatte, sagte: "Wir haben gedacht, vielleicht gibt es ja ein Problem bei Leuten, die unwissend sind und sich durch Sensationsnachrichten falsch leiten lassen. Deshalb wollten wir vorbeugen und zum Verständnis beitragen."

Gregor Schneiders Würfel sei ein Kunstwerk, aber er erinnere natürlich an die Kaaba, aber auch damit hätten Moslems kein Problem, zumal es kein entsprechendes Abbildungsverbot gebe. "Für Muslime ist es nur verboten, den Propheten abzubilden", sagte Yazici, weitergehende Verbote seien auch innerhalb des Islam umstritten. Außerdem könnten Andersgläubige selbstverständlich nach ihren Glaubensgrundsätzen handeln.

Nach dem Gespräch im Cafe Liebermann führte die Kunsthistorikerin Marion Koch die moslemischen Gäste durch die von ihr konzipierte Ausstellung "Parcours: Bilder vom Orient. Von Meister Franke bis Shirin Neshat". Dabei zeigte sich, daß für viele islamischen Betrachter die europäische Kunst, vor allem die Darstellung von Nacktheit, wenig vertraut ist.

"Manche der abendländischen Orientbilder betrachten wir natürlich mit Schmunzeln, denn sie sagen vermutlich mehr über Europa aus als über den Orient", meinte Yazici, der ankündigte, daß der Dialog fortgesetzt werde. So sollen im Sommer etwa hundert moslemische Kinder am Ferienprogramm der Kunsthalle teilnehmen.