Dokumentarfilm: Oliver Kahn und die Dinge des Lebens. 21.00 Uhr 3sat

"Kahn! Die Bayern!": Sportreporter Marcel Reif im Mai 2001; Bayern München hatte soeben die Champions League gewonnen und Oliver Kahn im Elfmeterschießen den dritten Strafstoß pariert. Im Jahr drauf wurde der Welttorhüter endgültig zur Legende, als eine spielerisch kaum wettbewerbsfähige deutsche Mannschaft dank seiner Paraden bis ins Finale der Fußballweltmeisterschaft vorstieß. Trotzdem hat Kahn mehr Feinde als Freunde; sein unbändiger, fast krankhaft wirkender Ehrgeiz, seine regelmäßigen Ausraster, seine fatalen Patzer in den letzen Jahren machen ihn immer wieder zum Gespött. Der Mann bettelt daher förmlich darum, endlich mal in all seinen Facetten porträtiert zu werden: kein devoter Jubelbericht, keine Boulevardkolportage, die sich an Affären und PS-Eskapaden ergötzt, sondern eine nüchterne, sachliche Auseinandersetzung mit einem Menschen, dessen wahre Persönlichkeit mit seinem öffentlichen Image womöglich gar nichts zu tun hat.

Schon der Sendeplatz deutet an, daß Marin Martschewskis Dokumentation "Oliver Kahn und die Dinge des Lebens" kein fröhlicher Fan-Film ist: 3sat hat sich bislang nur bei Olympischen Spielen als Sportsender profiliert. Trotzdem ist alles drin: die Glanzparaden, die peinlichen Fehlgriffe, die Aussagen der Verehrer, die spürbar großen Respekt für den einstigen Torwart-Titanen hegen, ihn aber nicht lieben.

Herzstück des Films ist ein langes Interview, in dem Oliver Kahn tief in sich hinein blicken läßt. Selten hat sich ein deutscher Kicker derart offen gezeigt. Oder richtiger gesagt: Selten hat sich ein Fußballer mit derartiger Eloquenz und Abgeklärtheit öffentlich mit seinem Seelenleben auseinandergesetzt.

Lieben wird man ihn nach diesem Film immer noch nicht; aber mehr Verständnis haben.

Der Film ist übrigens entstanden, ehe sich Jürgen Klinsmann für Jens Lehmann im deutschen Tor entschieden hat.tpg