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Kultur & Live

Ersatzmann Tim Mead erwies sich als Sensation

Laeiszhalle

HAMBURG. Eigentlich war er ja nur der Ersatzmann des Ersatzmannes. Die letzte Notlösung, sozusagen: ein Sprung ins kalte Wasser, mit nur zwei Tagen Probenanlauf. Aber Tim Mead nutzte seine Chance bravourös und wurde von den Zuhörern in der Laeiszhalle am Ende minutenlang gefeiert: für sein sensationelles Rollendebüt in der Titelpartie von Glucks Oper "Orfeo ed Euridice", zu erleben in einer konzertanten Aufführung der italienischen Erstfassung bei der NDR-Reihe "Das Alte Werk".

Schon bei den Rufen nach der geliebten (und scheinbar verlorenen) Euridice im Eingangschor deutete der erst 24jährige Countertenor sein riesiges stimmliches Potential an. Um dann im Laufe der Zeit ein wunderbar leuchtkräftiges und sinnliches Timbre zu entfalten: Rein sängerisch kann Mead seinen berühmten Lehrern Bowman, Brett und Blaze schon jetzt das Wasser reichen. Eine Riesen-Entdeckung! Doch er blieb nicht das einzige Highlight an diesem eindrücklichen Abend.

Auch die anderen Solisten präsentierten sich auf internationalem Spitzenniveau: Sopranistin Sunhae Im gab einen glockenhell girrenden Amor (der hier, anders als im Mythos, ein Happy End anzettelt), und ihre Kollegin Veronica Cangemi sorgte für einen der bewegendsten Momente des Konzerts, als sie ihr "Io moro" ("Ich sterbe") fast stimmlos expressiv über die Rampe hauchte. Das war ganz große Oper - auch ohne szenische Realisation, die spätestens jetzt kaum noch jemand vermißt haben dürfte. Am beglückenden Gesamteindruck hatten schließlich auch die beiden Ensembles ihren erheblichen Anteil. Der kultiviert und schlank singende NDR-Chor und die vorzügliche Akademie für Alte Musik aus Berlin lieferten eine hellwache, spritzige und farbenreiche Darbietung.

Daß die Fäden so gut zusammenliefen, war natürlich nicht zuletzt ein Verdienst dessen, der sie in den Händen hielt: Marcus Creed - einer der medienscheuesten, aber musikalisch profiliertesten Alleskönner unter den europäischen Dirigenten - leitete das Konzert mit ebenso knappen wie prägnant-lebendigen Gesten und bescherte dem "Alten Werk" eine maßstabsetzende Aufführung mit einigen unvergeßlichen Sternstundenmomenten.Stä

 

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