Warum sind die Tickets so teuer?
Popkonzerte: Musiker, Manager und die Macht über die Moneten. Die teuerste Rolling-Stones-Karte kostet heute 216,55 Euro. Im Jahr 1982 legte man dafür noch 42 Mark hin.
Hamburg. Was man mit rund 200 Euro nicht alles machen könnte. Einen einwöchigen Urlaub in einem Vier-Sterne-Hotel an der Algarve buchen zum Beispiel. Oder ein Wochenende lang mit einem Mercedes der S-Klasse herumkutschieren. Oder 40 Bügeleisen im Schnäppchenmarkt eines Elektronikkaufhauses einsacken. Oder aber: sich eine Karte für den Auftritt der Rolling Stones in der AWD-Arena von Hannover kaufen. Eine einzige Karte. Denn die kostet in der Kategorie A exakt 216,55 Euro. Und ist damit etwa zehnmal so teuer wie vor knapp fünfundzwanzig Jahren. 1982 mußten Stones-Fans 42 Mark berappen.
Jagger, Richards und Co. lagen in puncto Kartenpreisen schon immer weit vorn. Sie waren nicht nur die "größte Rockband der Welt", sondern auch die teuerste. Sie waren die ersten, die Mitte der 90er Jahre bereits 100 Mark für eine Karte verlangten, 2003 verdoppelte sich das Entgelt auf 100 Euro, und weil das so schön lief, wurden die Kartenpreise in diesem Jahr einfach noch einmal verdoppelt. Diese Kostenexplosion - nicht nur bei den Rolling Stones - ist nicht allein mit gestiegenen Produktionskosten zu erklären, sondern auch mit der Gier von Künstlern und Managern. Viele wollen profitieren, wenn Superstars auf Tourneen gehen.
Die Künstler selbst möchten eine fette Gage kassieren, ebenso die Manager, die sich um Verträge und alle Belange ihrer musizierenden Klienten kümmern. Der internationale Agent, der die Tournee an den Veranstalter mit dem höchsten Gebot verkauft, möchte ebenso verdienen wie der Tourveranstalter selbst. Als letzter kommt der örtliche Veranstalter hinzu, der sich vor Ort um den Aufbau der Bühne, um Ordnungsdienst, Kartenverkauf und Werbung kümmert.
Nach der Euro-Umstellung im Jahr 2002 sind die Ticketpreise explodiert. "Einige Agenten haben D-Mark einfach durch Euro ersetzt", sagt der Hamburger Konzertveranstalter Karsten Jahnke, der seit mehr als 40 Jahren im Geschäft ist. "Aber Deutschland bewegt sich bei den Ticketpreisen international immer noch im unteren Segment." Dennoch sieht Jahnke die gegenwärtige Entwicklung als "gefährlich" an: "Ich habe in letzter Zeit oft von Leuten gehört, daß sie die Ticketpreise für überzogen halten und sich Karten für die Shows der Superstars nicht leisten können."
Doch das Geschäft mit Livekonzerten boomt. Im Jahr 2004 wurden in Deutschland 2,7 Milliarden Euro für Konzertkarten ausgegeben, für Tonträger dagegen nur 1,78 Milliarden Euro. Der Trend geht offensichtlich zum Live-Erlebnis, denn ein Konzert kann man nicht brennen oder kopieren.
Auch für die Künstler sind die Tourneen inzwischen zur wichtigsten Einnahmequelle geworden. Pro verkaufte CD kassieren sie in der Regel nicht mehr als 50 Cent, jede Show beschert ihnen dagegen Gagen im fünfstelligen Euro-Bereich. Paul McCartney zum Beispiel verdiente im Jahr 2002 zwei Millionen Euro durch CD-Verkäufe, aber 65 Millionen Euro durch seine Welttournee.
Als Hauptgründe für die rapide gestiegenen Kartenpreise nennt Matthias Pätzold, Pressesprecher vom Veranstalter FKP Scorpio (u. a. Hurricane-Festival, Robbie Williams), die gestiegenen Produktionskosten und die deutlich höheren Gagen. "Die Gagenforderungen werden von den internationalen Managements diktiert und sind in der Regel nicht verhandelbar. Selbst bei astronomischen Forderungen findet sich fast immer ein Veranstalter, der sich auf solche Deals einläßt."
Der Markt ist hart umkämpft, obwohl die Gewinnmargen gerade bei den Mega-Konzerten immer schmaler werden. Oft wird der "Breakeven", also der Punkt, an dem Einnahmen und Kosten deckungsgleich sind, erst bei einem ausverkauften Konzert erreicht. Gewinn: gleich null. Eine Preisgrenze nach oben scheint es trotz der hohen Risiken für Veranstalter nicht zu geben.
"Es wird immer ein Publikum geben, das bereit ist, sehr viel Geld für ein exklusives Konzert mit einem Superstar zu bezahlen. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis", sagt Christian Gerlach, Prokurist in der Konzertagentur Karsten Jahnke. Anders verhalte es sich jedoch mit den unzähligen Newcomerbands und den Künstlern, die vor allem ein junges Publikum ansprechen. "Die Preise müssen erschwinglich bleiben, denn viele junge Leute gehen zwei- bis dreimal pro Woche in Konzerte, weil sie jede dieser Bands sehen wollen", so Gerlach.
Ein Beispiel für diese Politik ist der Auftritt von Fettes Brot im Dezember in der Color-Line-Arena, den Karsten Jahnke durchgeführt hat. Trotz einer aufwendigen Produktion kosteten die Tickets nur 23 Euro. "Das war ein sehr fairer Deal, bei dem der Gewinn nach Abzug aller Kosten nach einem festgelegten Schlüssel geteilt wurde", erklärt Jahnke. "Wenn es mehr Bands wie Fettes Brot gäbe, bräuchten wir uns um die Zukunft unserer Branche keine Sorgen zu machen, denn diese Band spielt für ihr Publikum", sagt der Konzertveranstalter, der ein paar Tage vorher auch die Fugees veranstaltet hatte.
Bei dem Gedanken an den lausigen und verspäteten Auftritt der US-HipHopper wird Jahnke ärgerlich: "Die müßten eigentlich ihre Gage wieder rausrücken, denn da wurde die künstlerische Freiheit zu Lasten des Publikums etwas überstrapaziert."




Branchenbuch Hamburg
Trabrennbahn Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages



