Museumsmann mit Leib und Seele
Heinz Spielmann: Der Chef des Bucerius-Kunst-Forums hört auf
Hamburg. Seit Gründung des Bucerius-Kunst-Forums im Jahr 2002 war Heinz Spielmann künstlerischer Leiter der Ausstellungshalle am Hamburger Rathausmarkt. Am 31. Dezember gibt der erfahrene Ausstellungsmacher, der kürzlich seinen 75. Geburtstag feierte, dieses Amt auf. Seine Nachfolgerin wird die bisherige Kuratorin Ortrud Westheider. Wir fragten Heinz Spielmann.
ABENDBLATT: Wenn Sie sich bisher aus einem Amt verabschiedet haben, gab es stets kurz darauf eine neue Aufgabe. Als Sie Ihr Amt als schleswig-holsteinischer Landesmuseumsdirektor auf Schloß Gottorf in Schleswig beendeten, kam das Bucerius-Kunst-Forum. Was kommt danach?
HEINZ SPIELMANN: Schauen wir mal . . .
ABENDBLATT: Was hat Sie bei Ihrer Arbeit am Bucerius-Kunst-Forum am meisten fasziniert?
SPIELMANN: Das war die Möglichkeit, ohne Einschränkungen Werke hoher Qualität und ganz unterschiedlicher Thematik zu zeigen, und zwar ohne Kompromisse. Es war eine große Chance, alle Kulturen anzusprechen, aber jeweils ein Thema in sich geschlossen darzustellen. Und dabei ist es auch gelungen, weitgehend Dinge zu zeigen, die sonst so in Hamburg und Norddeutschland noch nicht zu sehen waren.
ABENDBLATT: Mit welchem Begriff würden Sie Ihren persönlichen Führungsstil umschreiben?
SPIELMANN: Kollegial und bestimmt.
ABENDBLATT: Und was überwiegt?
SPIELMANN: Das ändert sich je nach Notwendigkeit.
ABENDBLATT: Welche der insgesamt zwölf Ausstellungen war Ihnen persönlich am wichtigsten?
SPIELMANN: Das ist schwer zu sagen, aber ich denke, daß die "Kunst der Seidenstraße - Faszination Buddha" und die Baumeister-Ausstellung etwas waren, was ich als besonders nötig ansah. Bei der "Seidenstraße" konnte ich die positiven Ideen einer frühen Globalisierung vermitteln und mit Willi Baumeister (1889-1955) einen bedeutenden Künstler bekannt machen, der weit unterschätzt ist und den ich für einen Jahrhundert-Künstler halte.
ABENDBLATT: Sie gelten als Macher-Typ. Was fasziniert Sie bei der Konzeption einer Ausstellung am meisten?
SPIELMANN: Eine hohe Qualität zu erreichen, ein schlüssiges Konzept zu verwirklichen und es optisch so umzusetzen, daß man sagen kann: Ja, so ist es richtig.
ABENDBLATT: Kümmern Sie sich immer um alle Details?
SPIELMANN: Ja, bis zur Hängung jedes Bildes. Bis zur Korrektur jeder Zeile im Katalog. Man muß genau sein, aber auch die großen Aspekte bedenken. Wenn die großen Aspekte stimmen, ist meist auch schon jede Antwort auf die Detailfragen gegeben.
ABENDBLATT: Schon aus räumlichen Gründen konnten Sie am Bucerius-Kunst-Forum keine großen Retrospektiven machen. Hat Sie das manchmal gestört?
SPIELMANN: Nein, ich glaube, im Gegenteil, daß die Konzentration zur Qualität zwingt und auch die Faßbarkeit erleichtert. Außerdem waren die Ausstellungen gar nicht so klein. Von Baumeister haben wir 90 Bilder, 30 Zeichnungen und 100 Objekte zeigen können. Es gab zwar auch kleinere, konzentriertere Ausstellungen, das ist auch eine Frage der Bildformate. Aber immerhin waren 70 spanische Gemälde auch nicht gerade wenig.
ABENDBLATT: Haben Sie für Ihre Ausstellungen immer die Leihgaben bekommen, die Sie haben wollten?
SPIELMANN: Natürlich nicht immer, aber zum überwiegenden Teil.
ABENDBLATT: Wie oft werden Sie Ihrer Nachfolgerin Ratschläge erteilen? Oder wollen Sie die weitere Entwicklung aus mehr Distanz verfolgen?
SPIELMANN: Wenn Frau Westheider Fragen hat, werde ich sie gern beantworten. Wenn sie es alleine macht, ist es durchaus ihre Sache.
ABENDBLATT: Manfred Sihle-Wissel hat Sie zu Ihrem 60. Geburtstag mit folgenden Worten charakterisiert: "Mit Standhaftigkeit und Mut, bisweilen grob und ungeduldig und dann doch mit Zartheit, voller Neugierde und manchmal mit der reinen Weltvergessenheit eines in sein Spiel versunkenen Kindes betreibt er das Seine. Statur hat er." Finden Sie das zutreffend formuliert?
SPIELMANN: Ich glaube, es stimmt einigermaßen.




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