Sonntag, 12. Februar 2012, 20:21

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Kultur & Live

Legen Sie Ihre Magentabletten bereit!

Worte: Wie Politik und Werbung verschleiern

Hamburg. Sind Sie ein Freund "lieblicher" Weine? Das sind die, bei denen das Glas am Tisch festklebt und Sie am nächsten Morgen einen Kopf haben wie ein Klosterkater. Oder lieber "adstringierend"? Dann legen Sie schon mal Ihre Magentabletten bereit. Das eine Wort bedeutet süß, das andere sauer, aber kein Winzer würde sie in den Mund nehmen.

Euphemismen, auf deutsch Beschönigungen, sind aus der Sprache der Politik oder der Werbung nicht mehr wegzudenken. Wer Zigeuner sagt, outet sich sofort als Rassist. Allerdings hat sich das "Sinti- und Roma-Schnitzel" oder die Umetikettierung der beliebten Operette zum "mobilen ethnischen Minderheiten-Baron" noch nicht richtig durchgesetzt.

Wahrscheinlich strömen die vielen Afrikaner, Pardon, "internationalen Mitbürger" deshalb Richtung Europa, weil sie sich unbändig auf Otto Schilys "Begrüßungszentren" freuen. Dabei hat er doch eigentlich nur Sammellager errichten wollen. Und welcher Soldat unter "friendly fire" ein gemütliches Grillfest versteht, wird sich schwer wundern, wenn er von den eigenen Leuten abgeknallt wird. Er ist dann leider als "Humankapital" seiner Armee zum "weichen Ziel" geworden. Beim "finalen Rettungsschuß" haben wenigstens gleich zwei Leute etwas davon: die Geisel das rettende Element, der Terrorist mehr das finale.

Sollten Sie planen, in das Hotel "mit Meeresblick" in den "aufstrebenden Urlaubsort" aus dem Reiseprospekt zu fahren, sollten Sie wissen, daß sich "aufstrebend" vorrangig auf die vielen Baukräne bezieht. Und den Meeresblick können Sie sofort genießen, sobald Sie mit einem leistungsstarken Fernglas das Dach erklommen haben. Unvergeßlich wird Ihnen auch der "unaufdringliche Service" bleiben, bei dem ein einsamer Kellner 80 Tische bedient. Und gegen Ihr "Zimmer im griechischen Stil" wird Ihnen Ihre damalige Studentenbude mit Ikea-Möbeln vorkommen wie ein überladener Renaissance-Palast.

Aber seien Sie rechtzeitig wieder am Arbeitsplatz. Sonst wird Sie ihr "dynamischer" Chef - im Klartext ein autoritäres Rindvieh - "outsourcen" - etwa zum "facility manager" (Hausmeister) eines "Entsorgungsparkes" (Müllplatz) machen. Ihre Karriere hätte dann erst mal ein "Nullwachstum" erreicht.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus