30.11.05

Südsee-Schätze vom Alten Wandrahm

Godeffroy: Wie der Hamburger Kaufmann eine weltbekannte Sammlung aufbaute. Eine Ausstellung im Jenisch-Haus informiert über das älteste Museum Hamburgs.

Von Matthias Gretzschel

Hamburg. Der Reeder und Kaufmann Johan Cesar Godeffroy (1813-1885) hatte mit dem Überseehandel ein geradezu märchenhaftes Vermögen gemacht. Mehr als 30 schnelle Segelfrachtschiffe pendelten zwischen Hamburg und seinen Handelsniederlassungen in Polynesien, Mikronesien, Melanesien und Australien. Sie brachten Glasperlen, Werkzeuge und Waffen nach Übersee und kamen voll beladen mit exotischen Handelsgütern nach Hamburg zurück. Doch außerdem hatten die Schiffe auch präparierte Pflanzen und Tiere sowie ethnographische Objekte an Bord, die Godeffroy in einem eigenen Museum zur Schau stellte - zu einer Zeit, als es weder die Kunsthalle noch ein naturhistorisches oder ethnographisches Museum in Hamburg gab.

"Das Museum Godeffroy 1861-1881 - Naturkunde und Ethnographie der Südsee" heißt eine Ausstellung, mit der das Jenisch-Haus an ein wichtiges Kapitel Hamburger Kultur-, Wissenschafts- und Wirtschaftsgeschichte erinnert. In den kleinen Kabinetten im obersten Stockwerk sind nicht nur jene exotischen Objekte zu sehen, die Godeffroy im 19. Jahrhundert erwarb, hier wird auch der kulturgeschichtliche Hintergrund dieser erstaunlichen privaten Initiative dargestellt und erläutert.

Die ansprechend, gleichwohl ein wenig konventionell gestaltete Schau bietet neben den Exponaten viel Lesestoff, erfordert also interessierte Besucher, die bereit sind, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Godeffroy hatte die Möglichkeit, merkantile Belange mit naturwissenschaftlichem Interesse zu verbinden. Er erteilte seinen Kapitänen den Auftrag, sich auch um das Sammeln von Naturalien und ethnographischen Objekten zu kümmern. Dafür erhielten sie genaue Anweisungen und eine entsprechende Ausrüstung, so daß sie gleich vor Ort seltene Fische oder Schlangen in Alkohol einlegen und Schmetterlinge oder Käfer sachgerecht aufspießen konnten.

Bald schickte er auch Spezialisten nach Übersee, die in der Lage waren, gezielt botanische Proben, Hölzer, Mineralien, Tiere und auch menschliche Schädel zu erwerben und mitzubringen.

Zu Godeffroys Forschern gehörte auch Amalie Dietrich. Die Hamburger "Pflanzenjägerin" war dank eines von ihrer Tochter verfaßten biographischen Romans - im 20. Jahrhundert ein millionenfach verkaufter Longseller - ungemein populär. Sie hatte den Auftrag, auch Schädel und Skelette der australischen Ureinwohner mitzubringen. Ganz unter dem Eindruck der Darwinschen Evolutionstheorie suchte man intensiv nach dem "missing link" zwischen dem Affen und dem Menschen. Dabei ging die Hamburgerin offenbar gewissenlos vor: Vor einigen Jahren tauchten in Brisbane Unterlagen auf, die belegen sollen, daß sie in mindestens einem Fall einen Aborigine erschießen ließ, um dessen Skelett nach Hamburg schicken zu können.

Die naturkundlichen, ethnographischen und anthropologischen Objekte, die im Verlauf von mehr als zwei Jahrzehnten nach Hamburg gelangten, konnte Godeffroy an Museen und wissenschaftliche Vereinigungen in halb Europa verkaufen. Zwei Exemplare gelangten jedoch stets in sein Museum, das sich in einem Kontorhaus am Alten Wandrahm - also auf dem Terrain der heutigen Speicherstadt - befand.

Die Ausstellung, die zwei Etagen einnahm und deren Präsentation in einem der Ausstellungsräume des Jenisch-Hauses jetzt rekonstruiert wurde, war für Hamburg eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges - allerdings zu streng reglementierten Öffnungszeiten: Hamburger hatten an den Wochenenden von 10 bis 14 Uhr für 50 Pfennig Zutritt, Auswärtige werktags von 11 bis 14 Uhr für eine Mark. "Das Museum besaß wissenschaftlichen Weltruf, der sich nicht nur auf die Sammlung gründete, sondern auch auf die Publikation der Reise- und Forschungsberichte im ,Journal des Museums Godeffroy'", sagt Ausstellungskuratorin Helene Kranz.

In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts waren Godeffroys Segler der Konkurrenz der Dampfschiffe nicht länger gewachsen. 1881 ging das Handelshaus in Insolvenz, das Museum mußte verkauft werden: Die naturkundlichen und anthropologischen Bestände gingen an das 1891 eröffnete Naturhistorische Museum am Steintorwall, das 1943 zerstört wurde. Die ethnographische Sammlung blieb im Leipziger Grassi-Museum bis heute nahezu vollständig erhalten. Wichtige Teile davon sind jetzt als Leihgabe in der Hamburger Ausstellung zu sehen.

  • Jenisch-Haus , Baron-Voght-Str. 50, bis 14. Mai 2006, di-so 11-18 Uhr.

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