Hamburg. Chefposten auf beiden Seiten des Atlantiks, ein voller Terminkalender, etliche CD-Einspielungen, allen Problemen der Klassik-Branche zum Trotz - Daniel Barenboim hat als Dirigent immer gut zu tun. Dass der 59-Jährige seine Karriere als Klaviervirtuose begann, gerät dabei oft ins Hintertreffen. An diesem Sonntag kommt Barenboim für ein Konzert im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals nach Hamburg. In der Musikhalle spielt er die drei letzten Beethoven-Sonaten. Bei einem Telefonat mit dem vielbeschäftigten Zigarren-Fan in Wiesbaden war Zeit für zehn kurze Fragen. ABENDBLATT: Was ist so erotisch an Zigarren? Daniel Barenboim: Der Rauch. Es ist ein sinnliches Vergnügen, für die Augen, für die Nase, für alles. ABENDBLATT: Wie endet der Satz: Ein guter Dirigent . . . ? Barenboim: . . . spielt selber ein Instrument. ABENDBLATT: Und: Ein schlechter Dirigent . . . ? Barenboim: . . . denkt, er produziert den Ton. ABENDBLATT: Wie lange brauchen Sie morgens, bis Sie wissen, in welchem Land Sie gerade sind? Barenboim: Ich wache normalerweise erst nachmittags auf. Dann dauert es aber nicht sehr lang (lacht). Aber wissen Sie, ich reise gar nicht so viel, ich lebe fünf Monate in Berlin und dreieinhalb in Chicago. ABENDBLATT: Haben Sie manchmal Sehnsucht nach Bayreuth, gerade um diese Jahreszeit? Barenboim: Ja und Nein. Ja, weil ich dort achtzehn Jahre wunderbar gearbeitet habe. Nein, weil ich glaube, dass dieses Kapitel im Moment abgeschlossen ist. ABENDBLATT: Die Berliner Kulturpolitik ist . . . ? Barenboim: . . . unbefriedigend. ABENDBLATT: Was ist Ihre Meinung zum Streit zwischen Möllemann und Friedman? Barenboim: O Mann. ABENDBLATT: Welche Oper sollte Berlins Kultursenator Thomas Flierl schließen? Barenboim: Eine Oper ist kein Opfer. Ich glaube, das ist nicht die Lösung. ABENDBLATT: Wie wollen Sie Ihren Berliner Wagner-Marathon - zehn Opern in vierzehn Tagen - toppen? Barenboim: Es gibt bestimmte Dinge, die unwiederholbar sind. Dieses Projekt gehört dazu. Das hatte für mich auch keinen athletischen Aspekt, es war der Abschluss von zehn Jahren Arbeit. Ab der nächsten Woche spiele ich in Buenos Aires alle Beethoven-Sonaten, das ist nicht so athletisch wie alle Wagner-Opern, aber trotzdem nicht unwichtiger. ABENDBLATT: Wer ist Ihr größter Konkurrent? Barenboim: Ich habe keine Konkurrenten - alle Dirigenten denken an mich als Pianist, und alle Pianisten als Dirigent. Interview: JOACHIM MISCHKE
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