Sonntag, 27. Mai 2012, 08:09

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Kultur & Live

Gedanken aus dem Mittelfeld

Ein sonniger Sonntag. Ein kräftiges Frühstück. Und dann? Nun, das Sportzeug und den Sohn nehmen, einen kleinen Imbiß in den Rucksack gestopft und ab in den Stadtpark. Reges Treiben und prächtiges Gekicke auf der großen Wiese. Athletische Afrikaner, dribbelnde Deutsche und trickreiche Türken im Einklang, ja, hier zeigt sich die Poesie dieser Sportart, hier erkennen wir, was Fußball wirklich sein kann: ein völkerverbindendes Ritual.

"Heute gehst du mal ins Tor", sagt der Sohn. Gut sitzen die neuen Fußballschuhe an den beständig wachsenden Füßen, ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk von mir, bald wird er 12 Jahre alt, der Bursche. Neuerdings zieht es ihn ins Mittelfeld, die Position des Torwarts behagt ihm nicht mehr, er will Räume öffnen, Pässe spielen. Also stelle ich mich ins Tor, besser gesagt: vor eine Hecke und zwischen zwei Rucksäcke.

Auch mein Vater verbrachte in jungen Jahren seine knappe Freizeit gern zwischen den Pfosten, hier lernte ihn Mutter kennen und lieben, bald darauf schenkte sie ihm Kinder, die, kaum daß sie aufrecht stehen konnten, sich gleich wieder bücken mußten, um mit Hilfe eines alten Küchenmessers den Graswuchs in den Fugen der Betonplatten einzudämmen und so für eine akkurate Hofeinfahrt zu sorgen, schöne Zeiten waren das.

"Konzentrier dich, Pabba!" Wieder habe ich mich ablenken lassen, dieses Mal von vagabundierenden Kubanerinnen, überhaupt, wo kommen plötzlich die vielen schönen Frauen her? Überall lassen sie sich auf Decken nieder, packen Nahrungsmittel aus, rollen sich auf die Bäuche und schauen den Kerlen beim Balzen, äh, Bolzen zu. Manchmal rollt ein Ball auf eine der Decken, dann kann man hingehen, den Ball aufnehmen, grinsend "Sorry" sagen und aus den Augenwinkeln kurze Bindegewebsstudien betreiben.

"Bist wohl auf Frauensuche, was?" sagt der Sohn und lupft gefühlvoll das Leder. "Guter Schuß!" lobt eine Männerstimme. Matthias, ein gemeinsamer Freund, gesellt sich zu uns und steigt ins Spiel ein. Zwei, drei Ballkontakte, und schon rollt der Ball präzise zwischen zwei Blondinen. "Den hole ich!" ruft der Freund und kehrt alsbald mit der Nachricht zurück, daß eine der Frauen am Bauch tätowiert ist, " . . . kleine Sterne in einer Reihe, die vom Nabel in Richtung Leiste führt", wie ich erfahre. "Vielleicht läuft sie Werbung für Metaxa", sage ich. "Oder sie ist die Metaxa-Erbin", sagt Matthias. "Die ist sowieso zu jung für euch", sagt der Sohn und grinst. Zur Strafe kitzeln wir ihm den Bauch - bis zum Sonnenuntergang . . .BERND MÖHLMANN

 

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