Die Baustelle beleben
"Kunst und Kultur in der HafenCity": Zwölf Projekte sollen neugierig machen
Hamburg. Kunst im öffentlichen Raum, das klingt auch nach Ärmelschoner-Mentalität und bürokratisch verabreichten Kulturmaßnahmen. Doch das genaue Gegenteil davon soll vom 9. Juli bis zum Dezember dafür sorgen, möglichst viele Hamburger mit unkonventionellen Kultur-Aktivitäten auf den neuen Stadtteil HafenCity neugierig zu machen. Aus 164 Bewerbern hat die Hamburgische Kulturstiftung in Zusammenarbeit mit der HafenCity Hamburg GmbH (HCH) acht temporäre Projekte ausgewählt, die mit 200 000 Euro unterstützt werden; die Körber-Stiftung, die demnächst in die HafenCity umzieht, legte 100 000 Euro Begrüßungsgeld drauf und erhöhte die Teilnehmer-Zahl so auf zwölf.
Das Angebot ist breit gefächert: Den Auftakt liefert "Bauen mit Licht", eine Licht-Klang-Collage von Kathrin Bethge und John Eckhardt, die den Sockel der geplanten Elbphilharmonie von außen illuminiert und beschallt. Um das Innere kümmert sich im September das Ensemble Resonanz mit dem aufwendigen Konzert-Programm "Kaispeicher entern!". Thomas Matschoß inszeniert am View Point einen gefühlsgetränkten "Jahrmarkt des Abschieds", ein Kunst-Imbiß von D.G. Reiß und Katharina Kohl soll den kleinen Kulturhunger zwischendurch bekämpfen, der "Baltic Raw Tower" von Berndt Jasper wird Anlaufstelle für Künstler aus Hamburg und dem Ostseeraum sein. Akademisch und trotzdem unernst soll's an der studiengebührenfreien "HafenCity Universitas" von Bildet Eliten e. V. zugehen, die Sinn-Seminare und Exkursionen im Vorlesungsverzeichnis hat. Auf den Magellan-Terrassen lesen Autoren aus dem "Hamburger Ziegel", dem Branchenbuch der Literaturszene. Dirk Meinzers Video "Mami Wata's Easy-Easy Foundation" projiziert ab Anfang August einen Monat lang jede Nacht einen Film über Seekühe auf eine Gebäude-Wand an den Magellanterrassen, das Fachwerkhaus-Theater "Südwärts" von Volker Lang beherbergt eine Klanginstallation, die Auswanderer-Schicksale und -Gedanken nacherzählt. Auf die Ohren gibt es ebenfalls beim "Klang.Gang" von Sandra Hülsmann und Dagmar Humsi, einem Rundgang mit MP3-Player. Vielleicht führt diese Tour zum Hafen auch über den "Steinernen Orientteppich" von Frank Raendchen, der dem Tor zur Welt eine Dosis anheimelnder Wohnzimmeratmosphäre verpassen soll. Jaschi Kleins Installation "Wind- und See-Zeichen" nimmt Bezug aufs Maritime und die Architektur des Quartiers.
Der Spaß am Ausgefallenen scheint abgefärbt zu haben, denn mittlerweile macht sich ein erfreulicher Gesinnungswandel bei der HCH bemerkbar: Man wolle dieser Initialzündung weitere Aktivitäten folgen lassen ("wir sind weder kulturell noch finanziell verausgabt", so HCH-Chef Jürgen Bruns-Berentelg), unter anderem einen Wettbewerb zur Gestaltung einer Kulturmeile. Es laufen Gespräche mit der HHLA über die Bereitstellung bezahlbarer Räumlichkeiten in der Speicherstadt zur Ansiedlung von Künstlern, und man diskutiere sogar mit potentiellen Investoren für das Überseequartier über kulturelle Nutzungsmöglichkeiten begehrter Erdgeschoßflächen.
www.kulturstiftung-hh.de
www.hafencity.com



Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




