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Kultur & Live

Was im Jahr 1945 geschah

Theo Sommer stellt sein Buch im Abaton vor

Hamburg. 1945 war ein Schicksalsjahr der Geschichte. Der langjährige "Zeit"-Chefredakteur und -Herausgeber Theo Sommer hat darüber ein neues Buch geschrieben: "1945 - Die Biographie eines Jahres". Es ist kein Band persönlicher Gedanken und Erinnerungen, sondern die Beschreibung jenes Jahres, in dem ein Krieg zu Ende ging und die Zeit danach mit neuer Rivalität unter den Mächten, aber auch mit Wiederaufbau in Deutschland, ihren Anfang nahm, aufgezeichnet von einem studierten Historiker und praktizierenden Journalisten.

Wer von beiden die Feder geführt habe, wollten wir vom Autor wissen. "Es überwog der Historiker", sagt Sommer, "im Unterschied zu einem ,normalen' historischen Buch habe ich in Details jedoch mit dem Blick des Journalisten gearbeitet."

So lesen sich also die Verhandlungen von Roosevelt bzw. Truman, Stalin und Churchill auf den Konferenzen von Jalta und Potsdam, aus den Protokollen zitiert, wie ein Drehbuch zur deutschen Teilung. Sommer: "Im nachhinein muß man feststellen, daß wir einigermaßen glimpflich davongekommen sind: Da war der Morgenthau-Plan, Roosevelt wollte sieben deutsche Staaten, Churchill drei Nordstaaten und einen Südstaat von Baden bis Budapest."

Und da waren die Atombomben über Japan, die Aufdeckung der Vernichtungslager der Nazis, die Flüchtlingstrecks, Schwarzmarkt, aber auch neue Filme und erste Theateraufführungen mit neuen Autoren wie Thornton Wilder und Konzerte mit bislang verfemten Komponisten wie Mendelssohn und Mahler und Ausstellungen mit Malern, die kurz zuvor noch als entartet galten.

Sommer läßt nichts aus. Und denkt Undenkbares: "Wäre die erste Atombombe nicht erst Mitte Juli 1945 erfolgreich getestet worden, sondern nur sechs Monate früher, so wären die beiden ersten Exemplare ohne Zweifel auf deutsche Städte abgeworfen worden. Nicht Hiroshima und Nagasaki wären verstrahlt, sondern Hamburg, München oder Berlin."

Sommer ergänzt sein Buch immer wieder mit Beschreibungen von Zeitzeugen wie Klaus, Erika und Golo Mann, von Victor Klemperer bis John Dos Passos, Theodor Eschenburg und Stefan Heym. "Das Eigentümliche ist", so Sommer, "das Buch hört mit dem 8. Mai nicht auf. Das ist nicht nur der Untergang. Ich schildere, wie es weitergeht, wie die Deutschen mit Hunger und ohne Hoffnung Weihnachten feiern und wie sie sich dann aus den Trümmern hochgerappelt haben."

Theo Sommer: "1945 - Die Biographie eines Jahres", Rowohlt, 224 S., 17,90 Euro. Am Sonntag (24. April) um 11 Uhr stellt Theo Sommer im Gespräch mit "Zeit"-Autor Jan Ross im Abaton-Kino das Buch vor; dabei wird historisches Filmmaterial (Wochenschauen etc.) von 1945 gezeigt. Eintritt: 8 Euro. Karten gibt's in allen Heymann-Filialen.

 

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