Starke Töne aus Hamburg
Zwergenaufstand: RockCity ist die Institution für die Musiker der Stadt. Ein Mix aus Kunst und Konzert soll Akzente setzen.
Hamburg. "Hamburg muß laut bleiben!" Der Slogan, mit dem RockCity vor drei Jahren Künstler, Bands, DJs, Labels und Verlage zur Messe in die Markthalle rief, ist für den Verein nach wie vor oberstes Gebot. Denn: "Die Investitionspflicht in die Subkultur besteht stärker denn je, doch die öffentliche Hand fühlt sich zunehmend weniger verantwortlich", erklärt Geschäftsführerin Andrea Rothaug.
Von einem Büro in der Kleinen Freiheit aus kümmert sie sich um die Belange von Hamburgs Musikern. Der Name RockCity sei ziemlich retro, findet Rothaug. Ein Spiegel der Anfänge: 1987 gegründet, ist der Verein die älteste Institution dieser Art in Deutschland. Auch Jazzer, HipHopper und Elektronik-Tüftler finden sich in der 450 Mitglieder umfassenden Kartei. Ein kreativer Pool, der Ikonen wie Blumfeld und Die Sterne ebenso verzeichnet wie den Nachwuchs, etwa die Emerganza-Gewinner Mr Brown.
In der Stadt setzt RockCity mit innovativen Konzertkonzepten Akzente. Events wie das Rockspektakel auf dem Rathausmarkt haben sich längst zu Dauerbrennern verselbständigt. Aktuell hat der Verein die neue Reihe "Zwergenaufstand" konzipiert - eine genreübergreifende Mixtur aus Liveacts, Lesung, Kunst und Performance, die heute im Golden Pudel Klub startet. "Die Veranstalter müssen mutiger werden. Weg vom Rockfrontalunterricht", fordert Rothaug. Doch wichtiger noch als punktuelles Rampenlicht ist die kontinuierliche Arbeit: Rothaug organisiert Tourbusse, und sie gibt etwa 100 Bands rund 200 Beratungen pro Jahr. Tendenz steigend. Ihr Service reicht von Steuer- und Rechtsfragen inklusive Vertragsprüfung bis zu Booking und Promotion. Fachkenntnisse sowie Kontakte zu Szene und Branche sammelte sie als Tourbegleiterin von Bands wie den Goldenen Zitronen, zudem als Pressesprecherin der Phonoindustrie. Den regen Austausch mit der Kulturbehörde pflegt die Multiplikatorin ebenso wie den Draht zur Subkultur. Ein Netzwerk, von dem unter anderem der Singer-Songwriter Flo Fernandez profitiert oder die Deutschpop-Formation Wunder. "Zu mir kommen Profis und solche Musiker, die Professionalisierung benötigen", so Rothaug.
Kapital schlagen möchte die Fachfrau aus dem Managementersatz, den sie leistet, nicht. "Unsere Klientel hat kein Geld, um sich kostspielig beraten zu lassen", stellt Rothaug fest. Ohne den Verein sei der Weg der Musiker zu Finanzamt oder Künstlersozialkasse noch steiniger.
Ihr Ein-Frau-Dienstleistungscenter finanziert Rothaug mit 66 000 Euro institutioneller Förderung sowie durch Beiträge der Mitglieder, die 20 Euro im Jahr zahlen. Zudem unterstützt die Wirtschaftsbehörde das "Clubkombinat Hamburg", das sich ebenfalls in RockCity-Regie befindet - eine 2004 entstandene Vernetzung von bisher 30 Klubbetreibern, die auf einer Website Termine eintragen und ihr Geschäft koordinieren können. Eine Kooperation dieses Datenfundus mit Hamburg.de ist geplant. Damit die Stadt laut bleiben kann.




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