Unschlagbar: Hilary Swank als Boxerin
Filmstar Hilary Swank begeistert als Boxerin in Clint Eastwoods "Million Dollar Baby". Der Film kommt morgen in die Kinos.
Hamburg. Ihren internationalen Durchbruch hatte sie, als sie in "Boys don't cry" einen Jungen spielte. Genauer gesagt, eine junge Frau, die sich in einer neuen Stadt als junger Mann noch mal neu erfindet. Kurzhaarig neben vielen Männern mit langen Fettfransen konnte man sie da bewundern. Sehr machohaft war sie. Wochen vorher hatte sie sich auf die Rolle vorbereitet und als Mann gelebt. 3000 Dollar Gage soll sie 1999 dafür bekommen haben. Aber dann auch einen Oscar.
Im Februar dieses Jahres bekam sie ihren zweiten Oscar, weil sie als Boxerin in Clint Eastwoods "Million Dollar Baby" durch ihre enorme physische Präsenz beeindruckt, was nicht nur dem dreimonatigen Training mit Weltmeistercoach Hector Roca zu verdanken ist. Denn nachdem die Geschichte über die Kämpferin und ihren Trainer ihre große Wendung genommen hat, reißt Swank die Zuschauer auch noch emotional mit. Morgen startet der Film, der bei den Oscar-Verleihungen alle wichtigen Preise abräumte, in den deutschen Kinos.
Es sind also keinesfalls Glamour-Rollen, mit denen sich Hilary Swank als eine der profiliertesten jungen US-Schauspielerinnen aus der Masse so vieler anderer herausgeschält hat. Seit ihrer Kindheit wollte sie Schauspielerin werden. Natürlich träumte sie davon, glanzvolle Auftritte als Femme fatale oder grandiose Verführerin hinzulegen.
Hilary Swank wuchs unter ärmlichen Verhältnissen in einem Wohnwagenpark nördlich von Seattle auf. Als sie 16 war, zog ihre Mutter mit ihr nach Los Angeles und vermittelte ihr kleine Nebenrollen in Filmen, die "Buffy der Vampirkiller" oder ähnlich hießen. Später bekam sie eine Nebenrolle in einer Staffel der TV-Serie "Beverly Hills 90210". Als Hilary Swank 1999 in dem Independent-Film "Boys don't cry" die wahre Geschichte der Teena Brandon, die als Junge leben wollte und ermordet wurde, spielte, konnte niemand ahnen, daß dies ihr eine Weltkarriere eröffnen würde. Der Film bekam fast alle Auszeichnungen der Filmbranche, und Swank, damals 25 Jahre alt, war nun Oscar-Preisträgerin.
In den Jahren danach überzeugte die Frau, die ein ebenso breites Lächeln wie Julia Roberts anknipsen kann, nicht mit ihren Filmen. Zwar spielte sie neben Cate Blanchett, Keanu Reeves oder Al Pacino, aber nur in Filmen, die sich mit der Hellseherei, der Schlaflosigkeit in Alaska oder einer Reise ins Innere des Erdkerns beschäftigen. Ziemlichem Quatsch also. Eigentlich hatte man Hilary Swank fast schon vergessen, bevor ihr Clint Eastwood die Boxerinnen-Rolle anbot. Daß sie jetzt aber zu jener nicht mal ein Dutzend starker Gruppe von Schauspielerinnen gehört, die zwei Oscars gewinnen konnten - darunter Vivien Leigh, Bette Davis, Jodie Foster oder Meryl Streep -, beweist nur, daß nicht nur Talent, Fleiß und Können Voraussetzungen dafür sind, es ganz nach oben zu schaffen, sondern auch Glück.
Daß Clint Eastwood sie in seinem Film besetzt hat, der zwar im Boxermilieu spielt, eigentlich aber von Risiko, Schuld, Verantwortung und Liebe handelt, war sicher kein Zufall. Sein Arbeitsstil ist knapp, ohne Gehabe und große Worte. Professionell eben. Und genauso arbeitet Hilary Swank. Sie bereitet sich gründlich und genau auf alles vor. Zicken sind ihr fremd. Vier bis fünf Stunden Boxtraining hat sie vor Drehbeginn wochenlang absolviert und dabei zehn Pfund an Muskelmasse zugelegt. Alle anderthalb Stunden nahm sie einen Proteindrink zu sich. Auch nachts. Dabei sollte sie jede Nacht neun Stunden schlafen, damit die Muskeln sich regenerieren konnten. Solch intensive Vorbereitungen auf eine Rolle kennt man sonst nur von Robert De Niro. "Boxtraining ist das härteste, was es gibt", sagt Hilary Swank. "Man denkt, drei Minuten im Ring, das ist gar nichts. Aber es ist ungefähr so, als würde man so schnell wie möglich Springseil hüpfen, und dabei wird man pausenlos in den Bauch geboxt. Am Ende muß man sich übergeben vor Anstrengung."
Vielleicht liebt es Hilary Swank, in ihren Rollen möglichst ungeschminkt, voller blauer Flecken und ganz und gar nicht glamourös auszusehen. Jedenfalls beweist sie, daß sie hinter dem lädierten Äußeren unglaublich talentiert ist. Und eigentlich auch unglaublich hübsch. Aber wer würde einer Schauspielerin, die einfach nur hübsch ist, glauben?
Der Boxerin Maggie fühlt Swank sich so nahe, weil sie auch aus einem Wohnwagenpark stammte, ihren Traum verwirklichen wollte und hart dafür kämpfte. Einmal sagt Maggie zu ihrem Trainer, den Clint Eastwood spielt, "Boxen ist das einzige, was sich je im Leben gut angefühlt hat." So ähnlich ging es Hilary Swank mit der Schauspielerei.




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