Laeiszhalle
Hamburg. "Darf ich Sie bitten, etwas leiser zu husten?" hatte er noch bei seinem letzten Hamburger Gastspiel vor knapp zwei Jahren gefragt. Diesmal reichten ihm schon ein kurzes Innehalten und ein leicht genervter Blick ins Publikum, um den Geräuschpegel in der Laeiszhalle wenigstens vorübergehend einzudämmen: Je älter er wird, desto strikter meidet Alfred Brendel alle überflüssigen Worte, Schlenker und Gesten, um sich dafür um so mehr auf das für ihn Wesentliche zu konzentrieren.
Das zeigt nicht nur die Programmauswahl des mittlerweile 74 Jahre alten Pianisten, die sich auf eine überschaubare Anzahl an Stücken einer Handvoll von Komponisten beschränkt. Sondern auch und vor allem sein reifes, vergeistigtes Spiel: Schon Mozarts Duport-Variationen geraten ihm zur schnörkellosen, gleichsam nackten Partiturstudie ohne einen Hauch falscher Süßlichkeit. Auch seine äußerst fein differenzierte Interpretation der "Kreisleriana" von Robert Schumann enträt jeder überbordenden Expressivität - und wirkt damit fast schon eine Spur zu abgeklärt für dieses erzromantische Werk. Den lyrischen Tonfall der Schubertschen "Moments Musicaux" trifft Brendel jedoch, nach der Pause, wie kaum ein anderer: Wenn er hier die vielfarbigen harmonischen Schattierungen subtil ausleuchtet und die zart-kantablen Linien mit bedeckter Stimme nach innen zu singen scheint, dann ist das schlicht zum Hinknien schön.
Nicht zufällig gelingt ihm auch in der abschließenden D-Dur-Sonate von Beethoven ausgerechnet das Andante ganz besonders anrührend, dessen milchig-verhangener Trauermarsch-Gestus bereits auf Schubert und Mahler vorauszuweisen scheint. Am Ende großer Jubel und zwei Zugaben, die ohne jeden vordergründigen Virtuosendonner auskommen: Ein eindringliches Plädoyer für die Reduktion auf das Pure und Reine in der Musik, gehalten von einem großen Künstler, dessen Vortrag sich denkbar weit von aller pianistischen Eitelkeit entfernt hat.











