Was bedeutet ein Porsche aus Sand?
Diplomanden zeigen ihre Arbeiten in der HfbK
Hamburg. Ein raumhohes Holzgerüst in Form eines Würfels, zum Teil bestückt mit monochromen Leinwänden - unübersehbar thront das Kunstwerk in der Eingangshalle der Hamburger Hochschule für bildende Künste (HfbK). Einen "Mondrian in 3D" nannte ein Professor die Abschlußarbeit von Wlodek Bzowka. Bewußt zitiert der die konkrete Kunst vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Aber was schon als minimalistische Skulptur deutliche Wirkung erzielt, verblüfft bei genauem Hinschauen durch einen äußerst subtilen Effekt. Die blauen, weißen und roten Leinwände tragen Bilder. Gemalte Porträts von Architekten und ihren Bauten, die erst aus einem bestimmten Blickwinkel aus der Bildfläche auftauchen. "Wir sind daran gewöhnt, eindeutige Bilder zu sehen", sagt der Künstler. "Dem Überfluß solcher Malerei wollte ich das scheinbar Unsichtbare entgegensetzen."
Wahrnehmung und Wirklichkeit. Viele der Arbeiten in der Diplomausstellung der HfbK beschäftigen sich mit diesem Thema. Heute abend um 19 Uhr eröffnet die Schau mit einer Party. 70 Absolventen aus den Studiengängen Kunst, Visuelle Kommunikation/ Medien, Design, Architektur und Kunstpädagogik zeigen ihre Arbeiten. Auffällig in der diesjährigen Schau sind die großen Inszenierungen. So zeigt die Bühnenbildklasse in der Aula Atmosphärisches. Von einem hohen Bücherturm aus akzentuiert ein Beamer mit wechselndem Lichtspiel das Wandgemälde und läßt die Figuren des Jugendstilmalers Willy von Beckerath scheinbar in Aktion treten. Auch Verse mit so herrlichen Wörtern wie "Huldgebärde" tauchen in dieser Arbeit von Jendrik Helle auf.
Den Unterschied zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit untersucht Mathieu Turken. Durch gebaute Räume aus Gips fährt ein kleiner Kamerawagen. Was er aufnimmt, erscheint auf einer Projektionsfläche wie Bilder aus einer antiken Stadt. Auch Nora Mayklumpp, Freie Kunst, beschäftigt sich mit medialen Umformungen. Genauer: mit virtuellen Charakteren, geschaffen aus animierten Bildern, die viel perfekter als wirkliche Menschen sind. "Es ist absurd, daß man versucht, sich selbst zu ersetzen", sagt die Künstlerin. Als "Zukunftsarchäologie" bezeichnet Boran Burchardt seine Arbeit, die Nachbildung eines verrotteten Porsche aus Sand.
Und welche Zukunft erwartet die Absolventen? Im Bewußtsein, daß nur vier Prozent aller Künstler von ihrer Arbeit leben können, hat sich Mette Bartholin in ihrer Video-Installation darüber Gedanken gemacht. Einer der Filme heißt: "Things I could do, if I gave up making art". (herr)



Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




