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Kultur & Live

"Für die Kunst, nicht für den Profit"

Subkultur: Die Hamburger Jungverlage Mairisch und Minimal Trash Art setzen auf Literatur von Individualisten.

Hamburg. Wenn Literatur rocken soll, braucht man eine Band, glaubt Blanka Stolz. Ihre heißt Mairisch und ist genaugenommen überhaupt keine Band, sondern ein Verlag. Mairisch gibt keine Konzerte, sondern Bücher heraus und verschickt auch keine Demo-CDs an Plattenfirmen, sondern verteilt Gedrucktes an (zumeist) junge Leser. Regelmäßig veranstalten Blanka Stolz und ihre "Bandkollegen" Daniel Beskos und Peter Reichenbach zudem Lesungen an Szene-Orten wie etwa der Hamburger Schilleroper, wo das Publikum beim Zuhören das Bier gern aus Flaschen trinkt. Gelebte Popliteratur zwischen Schanzenviertel und St. Pauli.

Dabei ist "Mairisch" eigentlich hessische Mundart und bedeutet: "Unkraut". Aber so wie Unkraut das zu Unrecht unterschätzte Rebellentum der Pflanzenwelt darstellt, besetzt auch Mairisch in der Verlagsbranche einen frechen Außenseiterposten. Klein, aber souverän. Und in der Namensgebung ebenso selbstironisch mit der eigenen Bedeutungslosigkeit spielend wie ein weiterer Hamburger Nachwuchsverlag derselben Generation: Minimal Trash Art, mit dem gemeinsam die Mairisch-Macher die erfolgreiche Schilleropern-Lesereihe "Transit" veranstalten. Unkraut und Trash, vereint im Bemühen um Hamburgs literarische Subkultur. "Es gibt Hochkultur, und es gibt Slam Poetry", sagt Beskos, "und wir liegen halt irgendwo dazwischen."

Sie liegen dazwischen und damit auf einer Linie mit den "Minimalisten" Jan Billhardt, Melanie Reiling, Marc Frese, Stefan Boskamp, Konstanze Erhardt und Jan Deichner, einem Künstlerkombinat, das Literatur mit Hörspiel, Musik und Fotografie verbindet. Vor zehn Jahren am Hamburger UKE gegründet, wo drei der fünf Jungverleger sich als Krankenpfleger kennenlernten, setzt Minimal Trash Art, wie die Kollegen von Mairisch, auf eigene Texte sowie Veröffentlichungen weitgehend unbekannter Autoren - in konsequent-ungewöhnlicher Buchgestaltung.

Ein aktueller "MTA"-Titel beispielsweise, "27 Seiten von Josef Voss", verzichtet auf die übliche Bindung und erscheint in einem geritzten DIN-A4-Stülpkarton, in dem 27 lose, per Hand numerierte Blätter liegen. Erzählt wird die Geschichte des kleinen Angestellten Josef Voss, der von seinem Arbeitgeber eine ausrangierte Schreibmaschine geschenkt bekommt und darauf eine Art Tagebuch verfaßt. Die getippten Blätter in einer Pappschachtel zu servieren macht Sinn und steht für das Konzept der Nachwuchsverleger: "Wir wollen Bücher machen, die in ihrer Aufmachung dem Inhalt entsprechen." Daß sich Literatur abseits der Norm zuweilen schwerer verkaufen läßt als gefällige Massenware, sieht Melanie Reiling ebenso gelassen wie ihre Mitstreiter: "Wir empfinden es als entscheidenden Vorteil, wenn wir unsere Arbeit nicht unter kommerziellen Gesichtspunkten sehen müssen." Eine selbstauferlegte Freiheit, die Raum für Experimente läßt - finanzieren jedoch kann sich keiner der Idealisten von der gelebten Leidenschaft. "Wir kommen aber mindestens auf null", sagt Daniel Beskos, "manchmal fällt sogar ein Euro ab." Das klingt zufrieden und ist tatsächlich mehr, als sich das Mairisch-Trio erhofft hatte, als es damals mit einer Flasche Sekt und 35 Mark zum Gewerbeamt gestapft war, um den Verlag anzumelden. Auch Minimal Trash Art bezieht eindeutig Position: "MTA ist für die Kunst, nicht für den Profit." Womit beiden Verlagen gelingt, wofür sie ursprünglich angetreten sind: die Literatur zum Rocken zu bewegen.

 

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