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Kultur & Live

Die RAF-Ausstellung in Berlin

Terrorismus: Ein Rundgang im Institut "Kunst-Werke" zeigt: Ein Historiker hätte der Schau gutgetan.

Berlin. Das erlebt man nicht oft, daß die Polizei mit einem vergitterten Einsatzwagen bei einer Pressekonferenz aufkreuzt. Gestern war es soweit. Wer sollte denn da geschützt werden? Die Ausstellungsmacher? Und wenn ja, vor wem? Sicher nicht vor den Journalisten. Vor Krawallmachern? Was für eine Fehleinschätzung der Situation, schließlich ist die RAF schon lange historisch geworden.

Abgesehen von dieser Windmacherei war vor allem der Ton bemerkenswert, den Klaus Biesenbach zur Eröffnung der RAF-Ausstellung anschlug. Ein Ton, der zwischen Trotz - "Eine Kunstinstitution ist keine Konsensmaschine, die alle Erwartungen erfüllt!" - und Ängstlichkeit - "Unsere Ausstellung zeigt nur, was im einzelnen öffentlich schon zugänglich war . . . " - hin- und herschwankte und der jede Einsicht in eigene Fehler vermissen ließ. Im Gegenteil.

Biesenbach, bis vor kurzem künstlerischer Leiter der "Kunst-Werke" und jetzt Kurator am New Yorker Museum of Modern Art, klagt im Katalog-Vorwort, daß man den Ausstellungstitel "Mythos RAF" habe ändern müssen. Nach dem Motto: So intolerant ist dieses Land beschaffen, "das zum einen aus der jetzt nicht mehr existierenden BRD und zum anderen aus der anscheinend nie bestanden habenden DDR zusammengesetzt wird". Gestern kein Wort des Verständnisses für die Empfindlichkeiten der Angehörigen derer, die dem RAF-Terror zum Opfer fielen. Statt dessen: Selbstgerechtigkeit. Durch die Streichung der öffentlichen Gelder, so Biesenbach, habe der Staat versucht, die Ausstellungsmacher unter Druck zu setzen. "Dieses Beispiel darf nicht Schule machen!" Tatsächlich hat der Staat, genauer gesagt der Hauptstadtkulturfonds, die nun in "Zur Vorstellung des Terrors" umbenannte Ausstellung sehr wohl subventioniert. Die Macher mußten nur den Teil der ausgereichten 100 000 Euro zurückzahlen, den sie zum Zeitpunkt des Eklats noch nicht ausgegeben hatten: nämlich 45 000 Euro.

Es war also keine souveräne Vorstellung zum Auftakt eines Kunstereignisses, das um ein Jahr verschoben worden war, nachdem es den "Kunst-Werken" im Spätsommer 2003 auf die Füße gefallen war. Und angesichts der fertigen Ausstellung muß man sagen, daß sich Biesenbach und seine Kollegen Ellen Blumenstein und Felix Ensslin an ihrem Projekt verhoben haben. Beziehungsweise daß sie gut beraten gewesen wären, einen Historiker und/oder einen Politologen ins Kuratorium zu berufen.

Kurz gesagt wirkt die Ausstellung, als hätten sich die Macher in erster Linie auf ihre Bauchgefühle verlassen. Im Erdgeschoß wird der Besucher von einer riesigen Wandzeitung empfangen, in der collagiert ist, was "Bild", "Stern", "Spiegel", "Süddeutsche" und "FAZ" in dreißig Jahren zum RAF-Terror gedruckt haben: zwischen dem 3. Juni 1967, an dem sie den Tod Benno Ohnesorgs vermeldeten, und dem 21. April 1998, an dem sie die Nachricht verbreiteten, die RAF habe sich aufgelöst.

Mittendrin ein weißer Kubus, in dem die Fotos von 80 Toten hängen. Diese Arbeit von Hans-Peter Feldmann lasse den Tätern und ihren Opfern "eine ganz gleichberechtige Behandlung" zukommen, hat Biesenbach formuliert, und den Zyklus als Beweis dafür genommen, "daß wir keine Interpretation machen". Das Gegenteil ist der Fall. Die Interpretation liegt schon in der Auswahl und darin, daß diese Auswahl in keinster Weise kommentiert wird. Tatsächlich beschäftigen sich die rund 100 Exponate - Bilder, Collagen, Video-Installationen - zu mindestens 80 Prozent mit den Tätern. Die ausgestellten Arbeiten reichen von einem "Flucht- und Befreiungsauto", das Franz Ackermann konstruiert hat, über die Darstellung Ulrike Meinhofs als Mona Lisa (Scott King) und Jörg Immendorffs Gemälde "Cafe Deutschland X" bis zu einer Installation, die Rudolf Herz "Entladung der Militanz" genannt hat: 14 Betonstelen mit den aufgepinselten Namen der zweiten RAF-Generation: Viett, Heissler, Krabbe, Hogefeld etc. Das alles ist ohne erkennbares Ordnungssystem über drei Etagen verteilt, und vieles - wie das "Kamikaze"-Blatt von Astrid Klein oder Hans Niehaus' "Wo Terroristen weinen" - wirkt wie Agitprop. Fazit: Die Ausstellungsmacher glauben, eine Kunstausstellung gemacht zu haben - an der politischen Ausstellung, die daraus geworden ist, sind sie gescheitert.

  • "Zur Vorstellung des Terrors: Die RAF-Ausstellung", Kunst-Werke e. V. Berlin, Auguststr. 69, 30. 1.-16. 5., di-so 12-19 Uhr, do bis 21 Uhr geöffnet, Katalog (2 Bände) 45 Euro.

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