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Kultur & Live

Die Ziele sind abgesteckt, der Weg dahin ist noch lang

Elmar Lampson: Seit 100 Tagen ist der Präsident der Musikhochschule im Amt. Zeit für eine erste Zwischenbilanz.

Hamburg. Die Aussicht ist immer noch dieselbe. Doch das täuscht. Denn innen hat sich viel verändert. Vor 100 Tagen hat Elmar Lampson das noble Präsidentenzimmer mit Alsterblick in der Hochschule für Musik- und Theater bezogen. Grund genug, ihn dort zu besuchen und eine erste Zwischenbilanz zu ziehen.

Seit Oktober 2004 hat die Hochschule nicht nur eine neue Führung, sondern auch eine komplett neue Struktur. Die vormals basisdemokratisch organisierte Musikhochschule wird seit kurzem von einem Präsidium geleitet und hat somit erstmals eine klare, unternehmerische Führungstruktur. Für den Hochschulapparat, der sich bis dahin dezentral in einzelne Fachbereiche gliederte, eine wirklich wesentliche Veränderung, die natürlich nicht ohne harte Kontroversen ablief. Aber letztlich, darauf ist Lampson stolz, habe man sich konstruktiv geeinigt.

Die Fachbereiche arbeiten jetzt nicht mehr jeder für sich, sondern sind näher zusammengerückt und zu drei Dekanaten zusammengefaßt. Ausgelagerte Studiengänge wie Musiktheater- und Schauspiel-Regie sowie Kultur- und Medienmanagement sind integriert, eine Theaterakademie wird gegründet.

Die Ausbildung, so der Wunsch dahinter, soll hierdurch umfassend und nicht nur auf ein spezielles Berufsbild fokussiert sein. "Ich möchte den Studenten beibringen, daß sie in die Gesellschaft gehören", hatte Lampson bereits im August letzten Jahres zu Protokoll gegeben. "Künstlerische Exzellenz in gesellschaftlicher Verantwortung" lautet denn auch das neue Motto der Hochschule.

Das Ziel wäre somit abgesteckt. Doch wie will Lampson es erreichen? Die strukturelle Veränderung bedeutet eine riesige Chance für die Hochschule, sich auf ihre Kernkompetenzen zu besinnen, so Lampson: auf Kunst (Ausbildung und Produktion), Pädagogik und Reflexion der künstlerischen Prozesse. "Wenn die Künstler nicht wissen, was sie tun, sind sie wie edle Tiere im Zoo. Sie können sich nicht aktiv einen neuen Platz in der Gesellschaft suchen", erklärt Lampson. Die Studierenden sollen aus ihrem Elfenbeinturm herausgeholt und dazu angeregt werden, sich ein eigenes Umfeld aufzubauen, wo sie ihre Kreativität anwenden können. Das bedarf natürlich einer genauen Entwicklungsplanung. Daran arbeitet Lampson gerade und hofft, sie in sechs Wochen vorlegen zu können. Die Studienordnungen müssen umgestrickt werden, eine Umwandlung zu Bachelor- und Masterstudiengängen steht vor der Tür, neue Weichen müssen langfristig gestellt werden.

Das wird noch Jahre dauern, meint Lampson. Denn in einem staatlichen Betrieb können Veränderungen nur langsam umgesetzt werden. Für jemanden, der von einer privaten, als GmbH geführten Universität kommt, eine neue Erfahrung. Doch Lampson weiß schon, wie er das Schneckentempo überholen kann.

Er will mit künstlerischen Projekten in Unternehmen gehen und dadurch der durch den Sparzwang auferlegten Lähmung entkommen. "Ich hoffe, mir gelingt eine wirklich gute Vermarktung unserer künstlerischen Qualitäten." Das erste Projekt steht mittlerweile fest, viele weitere werden gerade verhandelt.

Von April an wird die Hochschule mit der erfolgreichen Ausstellung "Dialog im Dunkeln" in der Speicherstadt kooperieren und sich vielfältig einbringen: Managerseminare, die die Ausstellung seit Jahren anbietet, sollen durch das Angebot der Hochschule erweitert werden. Eine große Hamburger Firma konnte für dieses Vorhaben gewonnen werden. Außerdem läßt sich der Dunkelraum als Konzert- und Aufführungssaal nutzen - eine künstlerische Herausforderung, weil die visuelle Präsentation entfällt. Zudem sind besondere Ausbildungsangebote für blinde Musiker an der Hochschule geplant. "Ich möchte weg von dem alleinigen Ruf nach Unterstützung von Kunst", sagt Lampson. "Ich möchte Aufträge haben."

 

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