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Kultur & Live

Zurück nach Schabbach

Chronik: Edgar Reitz vollendet nach 20 Jahren seinen einzigartigen Filmzyklus.

Sechsteiler: Heimat 3. 20.15 Uhr ARD

Der Kreis schließt sich. 20 Jahre ist es her, daß Regisseur Edgar Reitz mit seiner Familienchronik "Heimat" erstmals Fernsehgeschichte schrieb. Elf Filme mit einer Gesamtlänge von 15 Stunden erzählten damals vom Leben einer Dorfgemeinschaft im Hunsrück. Von persönlichen und politischen Krisen zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und den 50er Jahren. Ein großer Publikumserfolg, der 1992 die 13teilige Fortsetzung "Die zweite Heimat" möglich machte. Im Zentrum: Menschen wie der im Hunsrück aufgewachsene Musikstudent Hermann Simon (Henry Arnold), die die Enge der Provinz nicht länger aushalten und in der Großstadt München ihre Träume von einem freieren Leben zu verwirklichen suchen. Die Sehnsucht nach grundlegender Veränderung der privaten und gesellschaftlichen Verhältnisse, aber auch die Sehnsucht nach einem festen Halt in unsicherer werdenden Zeiten bestimmten diese mit langem Erzählatem entworfene Chronik der 60er und 70er Jahre.

Mit dem Sechsteiler "Heimat 3", der von heute an bis zum 29. Dezember in der ARD ausgestrahlt wird, geht's nun wieder ins Hunsrück. Im Mittelpunkt: abermals Hermann Simon, inzwischen ein berühmter Komponist, der seine Jugendliebe Clarissa Lichtblau (Salome Kammer), eine gefeierte Sängerin, zufällig am Abend des Mauerfalls wiedertrifft und beschließt, sich mit ihr zusammen am Ufer des Rheins einen Rückzugsort zu schaffen. Schnell ist ein altes Fachwerkhaus erworben, daß von ostdeutschen Handwerkern restauriert wird. Hat das junge/alte Paar nun endlich seine wirkliche Heimat gefunden?

Für Edgar Reitz war die Realisierung seines Traums von einem dritten Teil des "Heimat"-Epos mit jahrelangen Kämpfen verbunden. Nachdem "Die zweite Heimat" auf eine geringeres Publikumsinteresse als erwartet gestoßen war, erwies sich die Finanzierung dieses neuen Projekts als nahezu unmöglich. Dem Südwestdeutschen Rundfunk ist es schließlich zu verdanken, daß doch noch etwas daraus wurde - auch wenn es für Reitz und sein Team, darunter Co-Autor Thomas Brussig, Kompromisse einzugehen galt. So wurden statt der ursprünglich geplanten sieben nur sechs Folgen gedreht und darüber hinaus eine Fernsehfassung erstellt, die pro Folge etwa eine halbe Stunde kürzer ist als die Kinoversion, die übrigens schon in Hamburg zu sehen war.

Dennoch ist "Heimat 3" fraglos ein Meilenstein in der deutschen TV-Geschichte und ein gutes Beispiel für den Wert und die Unverzichtbarkeit öffentlich-rechtlicher Fernsehanstalten. Ein Privatsender mit vornehmlich kommerziellen Interessen hätte ein solch anspruchsvolles und kostenintensives Projekt wohl kaum unterstützt.

Kritikern, die in "Heimat 3" eine Art konservative Wende sehen, da die Hauptpersonen nach einer Zeit des Aufbruchs nun an ihren Ausgangspunkt zurückkehren, mag Reitz nicht folgen: "Begriffe wie ,konservativ' und ,progressiv' sind in der heutigen Zeit nicht mehr anwendbar", erklärt der 72jährige. "Worum es mir geht, ist vielmehr die Auseinandersetzung mit grundlegenden menschlichen Fragen zu Komplexen wie Krankheit und Tod, Familie und Trennung. Themen, die in jeder noch so kitschigen Soap Opera vorkommen und die der ernsthaften künstlerischen Auseinandersetzung bedürfen. Dieser Aufgabe habe ich mich mit ,Heimat' gestellt." Im übrigen sei die Rückkehr ins Hunsrück für ihn dramaturgisch notwendig gewesen, um dem Zuschauer gesellschaftliche und persönliche Veränderungen verdeutlichen zu können.

Mehr als 50 Stunden ist die komplette "Heimat"-Chronik nun lang, doch für Edgar Reitz ist sie noch immer nicht beendet. Bis zur Jahrtausendwende hat er die Geschichte erzählt; von politischen Umbrüchen und privaten Tragödien war die Rede, von wildem Aufbegehren und vom Zerbrechen der Traditionen im auch über das Hunsrück hereinbrechenden Globalisierungs-Wirbelsturm. "Wenn einer wie ich so etwas entscheiden könnte, würde ich sofort weitermachen", sagt Reitz. Obwohl "Heimat 3" wie ein Schlußpunkt wirkt: Für ihn, diesen volkskundlichen Filmemacher aus Leidenschaft, hat sich der Kreis noch nicht geschlossen. Ob er noch einmal die notwendige Überzeugungsarbeit leisten kann? (Holger True)

  • Die weiteren Sendetermine: Freitag, 17. Dezember; Montag, 20. Dezember; Mittwoch, 22. Dezember; Montag, 27. Dezember und Mittwoch, 29. Dezember, jeweils 20.15 Uhr.

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