HÖB: Von Engeln und Schlingeln
Hamburg. Vier Engel haben gestern vormittag die Zentralbibliothek am Hühnerposten besucht: Die zwei in Weiß mit Flügeln und Blondhaar waren Dekoration, die beiden anderen, die in Zivil kamen, hatten ein "himmlisches Geschenk" in Form eines Riesenschecks dabei, der den Hamburger Öffentlichen Bücherhallen (HÖB) eine Spende in Höhe von 50 000 Euro sichert. Heike Heymann-Rienau und Christian Heymann, Geschäftsführer der gleichnamigen Buchhandlung, begründeten ihr großzügiges Engagement mit der Bedeutung der Bücherhallen für Hamburg: "Das Netz der HÖB ist unverzichtbar", sagte Christian Heymann. "In Zeiten sinkender Etats wollen wir als privatwirtschaftlicher Partner gemeinsam mit den Bücherhallen das Lesen fördern."
Auf einen rettenden Engel wartete der Kulturausschuß der Bürgerschaft am Abend vergeblich. Beraten werden sollte über die Situation der HÖB, doch die Weichen für weitere Einsparungen sind längst von der Kulturbehörde gestellt worden. Und auch das Wie ist im Grunde entschieden, nachdem eine von der Behörde eingesetzte Expertenkommission unter Leitung von Helga Schuchardt in ihrem Gutachten einen Mix von Sparmaßnahmen vorgeschlagen hat, den alle Betroffenen notwendigerweise akzeptiert haben.
Überraschend also, daß mit dem Ausschuß-Mitglied Wolfgang Drews ausgerechnet ein CDU-Vertreter über Möglichkeiten nachdachte, die von Schließung bedrohten Bücherhallen auf St. Pauli und in Dulsberg zu retten. Helga Schuchardt reagierte mit Unverständnis darauf, denn bei reduzierten Mitteln Standorte unabhängig von ihrer Qualität erhalten zu wollen, gefährde die Stabilität des Gesamtsystems. Ihr treffendes Fazit: "Die Sparauflagen kommen nicht von der Kommission, sondern von der Politik."



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