Schwarzer Humor bei Nordischen Filmtagen
Lübeck. Mit der Preisverleihung gingen gestern in Lübeck die 46. Nordischen Filmtage zu Ende. Seit Donnerstag waren in der Hansestadt 134 Filme aus den skandinavischen Ländern, dem Baltikum, Polen und aus Schleswig-Holstein zu sehen. Die Publikumsresonanz war wieder groß.
Die mit 12 500 Euro höchstdotierte Auszeichnung, der NDR-Förderpreis, ging an den schwedischen Beitrag "Illusive Tracks", den vielleicht ungewöhnlichsten Film des Spielfilmwettbewerbs. Regisseur und Drehbuchautor Peter Dalle erzählt in seiner witzigen und rabenschwarzen Komödie von einer Zugfahrt im Jahr 1945 von Stockholm nach Berlin. An Bord ist der Schriftsteller Gunnar Wern (Gustaf Hammarsten), der mit Hilfe seiner Wittgenstein-Kenntnisse ein neues Europa aufbauen möchte. In den Nachbarabteils allerlei kuriose Typen: ein Psychopath, der von seiner Geliebten seine Ehefrau umbringen lassen will, ein älteres schwules Pärchen mit Beziehungsproblemen, ein Kriegsveteran, der Unfälle anzieht . . . Eine historische Komödie mit vielen Anspielungen auf die Filmgeschichte und reichlich eigener Originalität. "Illusive Tracks" erhielt auch den mit 2500 Euro ausgestatteten Publikumspreis der "Lübecker Nachrichten".
Der "Baltische Filmpreis für einen nordischen Spielfilm" ging an die dänische Regisseurin Paprika Steen für "Lasset die Kindlein" über die Eltern tödlich verunglückter Kinder.
Der Kirchenfilmpreis ging ans norwegische Drama "Uno". Im Mittelpunkt der 25jährige David, der sich von seiner Familie abgekehrt hat, um emotionalen Halt in seiner Fitneßgruppe zu finden. Aber ausgerechnet gegen die muß er wegen eines Drogendelikts aussagen. Ein überzeugendes Drama um Fragen der Freundschaft und Verantwortung mit Tiefgang - Themen, die in mehreren Filmen, auch im Kinder- und Jugendfilmprogramm aufgegriffen wurden.
Dem Spielfilmprogramm fehlten im Vergleich mit dem Vorjahr die ganz großen Höhepunkte, aber die Bandbreite der Beiträge war beträchtlich. Heftig ging es in "Ein Loch in meinem Herzen" des Schweden Lukas Moodysson ("Lilya 4-ever") zu. Drei Männer und eine Frau drehen in einer tristen Hochhauswohnung mit einer kleinen Digitalkamera Pornos. Moodysson zeigt abgestumpfte Menschen, die ziellos durch den Alltag treiben, bei ihren lieblosen sexuellen Exzessen. Ein erschütterndes Gesellschaftsporträt mit einer ebenso erschütternden Liebe zur Darstellung intimster körperlicher Details.
Gefeiert wurde Island, wo seit 25 Jahren rund drei Spielfilme jährlich für etwa 250 000 Einwohner entstehen. Häufig geht es um den Kampf des Menschen gegen eine übermächtige Natur. So auch in Hilmar Oddsons "Kaltes Licht", einem Drama von fast alttestamentarischer Wucht. Regie-Altmeister Fridrik Thor Fridriksson drehte in Schottland seine charmante Tragikomödie "Niceland". Er erzählt von einem leicht verhaltensauffälligen Paar auf seiner tragikomischen Suche nach "dem Sinn des Lebens".



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