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Kultur & Live

Kino, das Frauen wunderbar in Szene setzt

Regisseur: Der Franzose François Ozon wurde gestern mit dem Douglas-Sirk-Preis ausgezeichnet

Hamburg. Bei der Vergabe des Douglas-Sirk-Preises ist es schon passiert, dass Preisträger mit dem Namensgeber der Ehrung nicht viel anfangen konnten, weil ihnen das Werk des deutschen Regie-Emigranten nicht vertraut war. Bei François Ozon, dem diesjährigen Preisträger, ist das anders: "Ich bin auf Douglas Sirk durch Rainer Werner Fassbinder aufmerksam geworden und auch von ihm beeinflusst. Sirks ,Imitation Of Life' zählt zu meinen Lieblingsfilmen, insofern ist es eine besondere Ehre, dass ich diesen Preis bekomme", sagte Ozon in einem Interview mit dem Abendblatt.

Auch dass die berühmte Fassbinder-Schauspielerin Hanna Schygulla die Laudatio hielt, empfand der erst 37 Jahre alte französische Regisseur als "große Überraschung" und "sehr schmeichelhaft". In ihrer Rede bezeichnete Schygulla Ozon als "die geradeste Verbindung zu Douglas Sirk" und lobte ihn für seine außerordentliche Fähigkeit, Frauenrollen schreiben zu können.

Nach Hamburg hat Ozon, der nach nur sieben Spielfilmen schon zu den herausragenden Figuren des französischen Kinos zählt, seinen neuen Film "5x2" mitgebracht, der gerade erst beim Filmfest in Venedig Premiere feierte. Darin erzählt Ozon in fünf Episoden die Geschichte einer Ehe - und zwar von hinten. Er beginnt mit dem Ende der Ehe vor einem Scheidungsrichter und fährt von da aus zurück bis zu einem Urlaub in Italien, wo sich seine beiden von Valeria Bruni-Tedeschi und Stephane Freiss gespielten Protagonisten treffen und ineinander verlieben.

Auch in "5x2" zeigt sich Ozon wieder als Regisseur, dem es gelingt, Frauen wunderbar in Szene zu setzen, in diesem Fall die überragende Valeria Bruni-Tedeschi. "Mich interessieren im Kino Empfindungen mehr als Action und äußere Handlung. Frauen können das eher vermitteln, weil ihre Gefühlswelten vielfältiger sind. Auch Schauspielerinnen können im Gegensatz zu vielen männlichen Kollegen besser zwischen Rolle und ihrer Person trennen", sagt der sympathische Filmemacher. Ozon weiß wirklich, wovon er spricht, hatte er doch in dem boulevardesken Musical "8 Frauen" mit Catherine Deneuve, Fanny Ardant, Isabelle Huppert, Emmanuelle Beart die französische Schauspieler-Elite gemeinsam vor der Kamera. "Damals habe ich mich achtfach teilen müssen, um jeder von ihnen gerecht zu werden", erzählt er.

"Spielen hängt wesentlich vom Vertrauen des Schauspielers vom Regisseur ab", fährt er fort. Das wiederum hat Charlotte Rampling dem französischen Regisseur geschenkt, der ihr unter seiner Regie in "Unter dem Sand" und "Swimming Pool" ein grandioses Comeback ermöglichte und zeigte, dass man auch mit 59 Jahren extremen Sexappeal ohne jegliche Peinlichkeit ausstrahlen kann.

Ozon macht deutlich, dass er mit ganzem Herzen Europäer ist. "Das Hollywood der Gegenwart interessiert mich nicht." Umso mehr lobt er Rainer Werner Fassbinder, dessen Stück "Tropfen auf heiße Steine" verfilmt hat. "Ich bewundere seine Art, wie er sich mit großer Klarsicht mit der Geschichte seines Landes auseinander gesetzt hat. Er fand in seiner Arbeit eine Obsession, aber wollte nicht mit jeder Arbeit ein Meisterwerk abliefern." Ähnlich wie Fassbinder sei auch er ein Anti-Kubrick, also jemand, der nicht alles bis ins letzte Detail vorher plane. "Man muss nicht Erfolg um jeden Preis haben. Das Wichtigste ist, etwas zu durchleben. Der Unterschied zu Fassbinder ist, dass er bis zu sieben Filme pro Jahr gedreht hat, ich dagegen mache nur einen. Mir bleibt Zeit genug zum Leben."

 

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