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Kultur & Live

Vom Plattenbau auf die Bühne

Morgen im Kino: Der Film "Rhythm is it" dokumentiert ein ehrgeiziges Projekt

Hamburg. Es ist ein unglaubliches Kunstabenteuer. Und wenn es nicht filmisch dokumentiert worden wäre, könnte man es glatt für ein Märchen halten. 250 Jugendliche, für die Disziplin, klassische Musik und Tanz richtig uncool sind, haben auf Einladung der Berliner Philharmoniker und ihrem Chef Simon Rattle mit Tänzer Royston Maldoom eine Choreographie zu Strawinskys "Le Sacre du Printemps" einstudiert.

"Rhythm is it" (Regie: Thomas Grube, Enrique Sanchez Lansch), der morgen in den Kinos anläuft, erzählt ungeschminkt von diesen Monaten, von Überwindung und Versagensängsten, von einer emotionalen Entdeckungsreise der Schüler, die größtenteils aus schwierigen Verhältnissen kommen. Viele von ihnen Null-Bock-Teenager, die in ihrer Freizeit mit Zigarette in der einen und Lolli in der anderen Hand zwischen trostlosen Berliner Plattenbauten herumlungern. "Die Musik find ich eigentlich nicht so toll", meint einer. "Strawinsky ist ja nu nicht grad was Modernes."

Royston Maldoom, der bereits mit Straßenkindern, Männern und Frauen in Kriegs- und Krisengebieten gearbeitet hat, zeigt den Kids: "Das hier ist ernst! Warum muss alles im Leben Spaß machen?" Nach harter Arbeit hat er ihnen Konzentration und Körperbeherrschung beigebracht.

Die Aufführung im Januar letzten Jahres in Berlin wurde ein sensationeller Erfolg. "Wir wissen, dass das Projekt unser aller Leben geändert hat", sagt Rattle. "Eine so intensive Beziehung zur Musik hatte ich noch nie. Erst war die Musik ein Schock. Aber beim Tanzen lernt man sie kennen, mit jeder Bewegung, jeder Note", meint Nina im Film, und Martin erklärt: "Ich weiß nicht, wie es aussieht, ich sehe es ja nur von innen. Aber ich weiß, dass es sich gut anfühlt." Die Musik hat ihr Leben verändert.

Das Experiment ist geglückt, die Berliner Philharmoniker einen Schritt weiter auf ihrem Weg, "ein fest verankerter, lebendiger und aktiver Bestandteil im sozialen Zusammenleben der Stadt Berlin zu werden" (Rattle). Davon kann sich die hiesige Kulturszene eine dicke Scheibe abschneiden. Kultursenatorin Karin von Welck hatte deshalb zur Preview von "Rhythm is it" ins Abaton geladen. Eine schöne Geste, fehlt nur noch die Einladung von Royston Maldoom nach Hamburg. Er würde kommen!Bettina Brinker

 

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